die zeit : In den meisten Fällen werden Depressionen medikamentös behandelt. In der Christoph-Dornier-Klinik setzen Sie dagegen auf psychotherapeutische Ansätze. Ist das eine Alternative zu den Antidepressiva

Markus Pawelzik : Zunächst einmal: Die Wirksamkeit der Psychopharmako-Therapie schlägt bei schweren Depressionen fast alle anderen Methoden. Das zeigen viele Studien. Je mehr körperliche Symptome mit einer Depression einhergehen – Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust –, desto zwingender ist die Behandlung mit modernen Antidepressiva.

zeit : Welchen Sinn haben dann Psychotherapien?

Pawelzik : Sie sind sinnvoll, wenn man nicht nur eine unmittelbare, sondern auch eine nachhaltige Wirkung erzielen will. Antidepressiva helfen nur, solange der Patient sie einnimmt. Setzt er die Medikamente ab, dann ist das so, als hätte er sie nie genommen. Wenn er aber eine Psychotherapie macht, die auf ihn abgestimmt ist, dann hat der Patient etwas gelernt, was auch danach nicht aufhört zu wirken und was ihm hilft, sich aus den Fallstricken zu befreien.

zeit : Was kann er denn in der Therapie lernen?

Pawelzik: Er kann lernen, die problematischen Reaktionsmuster seines Verhaltens zu erkennen, die ihn immer wieder in hoffnungslose Befindlichkeiten hineinmanövrieren – und sie zu verändern. Diese Muster sind bei allen Menschen verschieden. Manche Depressive sind in Passivität wie erstarrt; andere werden zu Perfektionisten, die gegen Mauern rennen, weil sie immer die Besten sein wollen. Nicht selten sind richtige Stinkstiefel dabei, die durch ihre Unfähigkeit zu sozial verträglichem Verhalten überall auf Ablehnung stoßen.

zeit : Wie bringt man einen depressiven Patienten dazu, sein Verhalten tatsächlich zu ändern?