Nein, keine Witzchen mehr über Martha Stewart. Amerikas oberste Fernsehköchin hat also gelogen und ist schuldig im Insiderskandal um die Aktien der Bio-Tech-Firma ImClone. Zum Wochenbeginn konnte sie einem eher leid tun: die Hüterin des guten amerikanischen Geschmacks, die sich auf 10 bis 18 Jahre hinter Gittern einstellt, die ihren Zuschauern zum Abschied dankte, deren Kochbuch- und Medienimperium vor dem Zusammenbruch steht.

"Es geht um den Schutz unseres Systems", verkündete der siegreiche Staatsanwalt gleich nach der Verhandlung. Klar: Harte Urteile dienen der Abschreckung, und abgeschreckt werden betrügerische US-Unternehmer in diesen Tagen kräftig. Eine gefallene Unternehmensgröße nach der anderen macht vor Gericht Schlagzeilen: Dennis Kozlowski, der raffgierige Ex-Chef der Konzerngruppe Tyco. Die Rigas-Familie, die Dynastie an der Spitze des geplünderten Kabelfernsehbetreibers Adelphia. Jeffrey Skilling, der frisch inhaftierte ehemalige Topmanager des Energieriesen Enron. Das hat die Bush-Regierung so gewollt. 2002 richtete sie eine spezielle Arbeitsgruppe für Unternehmenskriminalität ein, und seit 2002 wurden 642 Anklagen erhoben.

Das Problem ist, dass Amerikas Unternehmens- und Marktaufsicht damit allein noch nicht reformiert ist. Martha & Co lenken sogar eher ab. In der vergangenen Woche war eine ganz andere Schlagzeile von größerer Bedeutung: die Demontage des Disney-Chefs Michael Eisner. Eisner leitete seit 1984 als unumschränkter Herrscher im Mäusereich nicht nur den Vorstand, sondern auch den Aufsichtsrat von Walt Disney. Mit dieser Personalunion ist jetzt Schluss: Eisner bleibt zwar Konzernchef, darf sich aber künftig nicht mehr selber kontrollieren. Die Aktionäre kegelten ihn aus seinem Zweitposten als Chairman. Ein Votum gegen den Filz an der Konzernspitze.

Doch damit nicht genug. Die großen Pensionsfonds, die in Eisners Fall ihre Finger im Spiel hatten, halten solche Schritte in zahllosen weiteren US-Unternehmen für nötig. Auch die Analysten versuchen, das amerikanische Management genauer unter die Lupe zu nehmen, und klagen, dass ihnen der klare Blick meist verstellt ist. Die Finanzmarktaufsichtsbehörde SEC denkt sogar darüber nach, Aktionäre ihre eigenen Direktoren benennen zu lassen.

Auf solche Fragen ist also zu achten, wenn Amerika seine Unternehmens- und Marktaufsicht ins Lot bringen will. Oder sollen, wie Zyniker behaupten, die vielen Prozesse nur vom schleppenden Fortschritt ablenken?