die zeit: Herr Jung, im vergangenen Jahr hat sich der Nebenwerte-Aktienindex MDax wesentlich besser entwickelt als der Dax. Welche Ursachen hat das?

Jens Jung: Die kleineren Indizes wie der MDax laufen traditionell den großen hinterher, weil die Investoren es zuerst den größten Unternehmen zutrauen, von einer Konjunkturerholung zu profitieren. Nachdem sich der Dax von seinen Tiefstständen erholt hatte, sind auch die kleineren Unternehmen wieder in das Blickfeld der Anleger gerückt. Die haben sich seit März vergangenen Jahres besonders den MDax-Aktien zugewandt und mit den Kurssteigerungen den beginnenden Konjunkturaufschwung vorweggenommen.

zeit: Legen Anleger nach den schlechten Erfahrungen mit Unternehmen am früheren Neuen Markt jetzt besonders großen Wert auf solide Unternehmen, auch wenn deren Geschäfte eher langweilig erscheinen?

Jung: Unbedingt. Zwar war gleichzeitig mit dem Niedergang des Neuen Markts deutlich zu sehen, dass auch viele MDax-Unternehmen unter dem Konjunktureinbruch leiden würden. Aber diesen Unternehmen half ihre Geschichte als solide, ertragsstarke und stetig wachsende Firmen. Das Interesse der Investoren ist deshalb zu diesen Unternehmen zurückgekehrt. Für die Anleger hat sich diese Entscheidung bereits ausgezahlt.

zeit: Skeptiker warnen jetzt vor einem Ende der MDax-Rallye, weil die Aktien im Vergleich zu den Dax-Werten nicht länger unterbewertet sind. Sehen Sie das genauso?

Jung: Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass die Bewertung der MDax-Unternehmen, gemessen am Gewinn, langfristig geringer sein wird als die der Dax-Unternehmen, weil die großen Konzerne auch weiter eine stärkere Aufmerksamkeit genießen werden. Da sich die starke Unterbewertung vieler Nebenwerte durch die jüngsten Kursgewinne abgebaut hat, wird der MDax wohl nicht länger den Dax schlagen.

zeit: Wird also der MDax in diesem Jahr nicht mehr seine Rekordmarke aus dem Jahr 2000 erreichen?