Bei Trauer und Angst haben alle Menschen den gleichen Gesichtsausdruck. Ließe sich Gedenken ebenso unmissverständlich ausdrücken, bliebe uns viel Streit erspart. Zum Beispiel der über das richtige Denkmal für die Toten des 11.

Septembers. Die Ausstellung The Art of Memory/The Memory of Art des New Yorker Goethe-Instituts (bis zum 31. März) will "den deutschen Ansatz, einer nationalen Tragödie zu gedenken, mit dem amerikanischen" vergleichen. Gute Idee, sehenswerte Arbeiten, nur das Konzept geht nicht auf. Verglichen wird das Nichtvergleichbare: vier Entwürfe fürs Denkmal am World Trade Center mit vier Vorschlägen für Holocaust-Mahnmale in Deutschland, die nicht nur der Opfer gedenken, sondern auch an die Täter gemahnen müssen. Zudem ist das eine historische Ereignis, der 11. September, gerade erst gewesen, und jedes Denkmal wird ein offenes Wundmal historisieren. Das andere hingegen liegt ein halbes Jahrhundert zurück, da fällt es den Künstlern leichter, auch schonungslose Entwürfe zu entwickeln. So hatte Horst Hoheisel als Denkmal für die ermordeten Juden Europas die Idee unterbreitet, das Brandenburger Tor zu Staub zu zermahlen - eine extrem schroffe Form der Erinnerung. Für das World-Trade-Center-Denkmal schlägt er vor, dass über Mikrofone die Namen der Toten in unhörbare Höhen gesprochen werden sollten. Ein Interaktionismus, der vergleichsweise nichtig wirkt und wie die anderen bekannten Entwürfe - hilflos. Die Fähigkeit zur radikalen Kritik ist offenbar keine Frage der Nationalität, nicht einmal des Künstlers.