Überraschung in München. Nach Protesten von Schuldnerberatern sowie ausführlichen Medienberichten hat der von der CSU dominierte Haushaltsausschuss des Bayerischen Landtags beschlossen, die Finanzierung der öffentlichen Insolvenzberatung doch nicht zu stoppen. Allerdings sollen die Zuschüsse von rund 2,5 Millionen Euro auf nur noch 800 000 Euro gekürzt werden. "Das ist viel zu wenig, aber natürlich immer noch besser als die komplette Streichung", sagt Klaus Hofmeister von der Landesarbeitsgemeinschaft Schuldner- und Insolvenzberatung Bayern.

In Deutschland gelten derzeit drei Millionen Haushalte als überschuldet, mehr als je zuvor. Ihre Einkommen und Ersparnisse reichen nicht, um die Verbindlichkeiten jemals zu begleichen. Häufigste Ursachen sind Arbeitslosigkeit, Ehescheidungen oder die Pleite des eigenen Unternehmens (siehe ZEIT, Nr. 10/04).

Den Ausweg aus der Misere bietet in vielen Fällen die Privatinsolvenz: Nach einer sechsjährigen so genannten Wohlverhaltensphase, in denen die Betroffenen lediglich den Pfändungsfreibetrag beziehen, werden ihnen die Restschulden erlassen. Voraussetzung ist in der Praxis allerdings die juristische Betreuung durch die öffentlichen Insolvenzberatungsstellen. Diese sind bundesweit stark überlastet, die Wartezeiten liegen oft bei mehr als anderthalb Jahren. Schuldenexperten fordern daher seit langem mehr Beratungsstellen.

Stattdessen hatte das Land Hessen Anfang des Jahres die Finanzierung der Insolvenzberatung komplett gestrichen - auf die Gefahr hin, dass vielen Betroffenen die Entschuldung auf Dauer verwehrt bleibt. Die bayerische Landesregierung hatte den gleichen Schritt geplant. Die nun beschlossene Kürzung der Mittel mache es zwar unmöglich, die eigentlich nötigen neuen Stellen für Insolvenzberater zu schaffen - "aber wir hoffen, dass wenigstens keine Stellen gestrichen werden müssen", so Schuldnerberater Hofmeister.