Washington

Welch ein Traumpaar, diese beiden. Als Arnold Schwarzenegger auf die Bühne springt und George Bush vorstellt, da schreien und jubeln die Massen. Im Wahljahr soll Hollywoods Glanz auch auf den Präsidenten fallen. So muss es sein im Showgeschäft namens Politik. Jedenfalls war es 1988 so, als noch Bush auf den Vornamen George Herbert Walker und Schwarzenegger auf Filmregisseure hörte.

Wie anders ist alles heute. Als Präsident George das Territorium von Gouverneur Arnold betritt, so geschehen vergangene Woche, bleibt Schwarzenegger sichtbar unsichtbar. Er holt Bush nicht am Flugplatz ab und steht nirgends daneben, wo der Präsident auch spricht. Nur einmal taucht Schwarzenegger auf, bei einem Abendessen mit Spendern. Das trägt sich hinter den Mauern einer Villa in Hollywood zu, nicht gerade öffentlich. Der Präsident und der Gouverneur wahren Abstand. Bush muss nämlich fürchten, in Schwarzeneggers Schatten statt in dessen Lichtkegel zu stehen. Mit Bushs Arbeit sind etwa die Hälfte der Amerikaner zufrieden; aber zwei Drittel der Kalifornier finden, Schwarzenegger mache seine Sache gut. In dessen Politik zeigen sich jedenfalls die Konturen eines Weltbildes in scharfem Kontrast zum Gesellschaftsbild von George Bush. Das Gesicht des "Gouvernators" wird zum weicheren Antlitz des amerikanischen Konservatismus.

Schwarzenegger hat gleich nach Amtsantritt Reformen im sozialdemokratischsten aller amerikanischen Bundesstaaten eingeleitet. Arbeitgebern soll die Last der Berufsunfähigkeitsversicherung für ihre Angestellten erleichtert werden. Mit den Lehrergewerkschaften konnte Schwarzenegger sich über Kürzungen verständigen. Das ist Teil seines Programms zur Bekämpfung der Haushaltskrise, die er geerbt hat. Die wichtigsten Elemente dieser Politik hat die Bevölkerung am Dienstag vergangener Woche in einer Volksabstimmung gebilligt – Schwarzeneggers bislang größter Sieg im Amt.

Jetzt will er die Ausgaben einschränken und Staatsanleihen in Höhe von 15 Milliarden Dollar ausgeben. Ein ausgeglichener Haushalt soll künftig Verfassungsgebot sein. Mit dieser Politik bringt Schwarzenegger auch die Mehrheitspartei hinter sich. Senatorin Dianne Feinstein, Kaliforniens populärste Linke, tritt sogar in Werbespots für Schwarzeneggers Politik auf. Die Demokraten rechnen ihm hoch an, dass er auf eine Rosskur mit dramatischen Einschränkungen sämtlicher Staatsleistungen verzichtet. Im Gegensatz zu den Demokraten aber will Schwarzenegger Steuererhöhungen vermeiden. Doch anders als der rechte Flügel seiner eigenen Partei erkennt er im Staat nicht den Feind an sich. Zu viel Staat ist ihm suspekt, mehr nicht. Und anders als die Parteifreunde in Washington findet er nicht, dass gut für Amerika allein das ist, was den Konzernen nützt.

Vor allem hält Schwarzenegger Abstand zum religiös grundierten Moralismus seines Präsidenten. Kulturkämpfe sind ihm suspekt. Lieber arbeitet die Pop-Ikone Schwarzenegger daran, 68er mit dem Konservatismus zu versöhnen. Auch als Gouverneur tritt er für das Recht auf Schwangerschaftsabbruch ein. Er begnadigt gelegentlich Mörder – worauf sein demokratischer Vorgänger verzichtete. Und vor allem sagt er George Bush mitten im Wahlkampf, er habe "keine Verwendung" für dessen Vorschlag einer Verfassungsänderung, um die Schwulenehe zu verhindern. Anderen seinen Lebensstil aufzunötigen käme Schwarzenegger nicht in den Sinn.

Das alles macht ihn noch nicht zum Anführer einer innerparteilichen Opposition. Eher führt Schwarzenegger vor, wie weit Bush politisch in die Mitte rücken müsste, um Kaliforniens 55 Wahlmänner gewinnen zu können. Erst mal "riecht es nach einem Deal", schreibt der Santa Cruz Sentinel. Wenn Bush Wahlkampfhilfe von Schwarzenegger wolle, lautet die Vermutung, müsse er Bundeshilfen für Kalifornien lockermachen. Was später ist: Wer weiß? Jedenfalls tritt Schwarzenegger neuerdings für eine ganz andere Verfassungsänderung ein. Danach dürften im Ausland geborene Amerikaner Präsident werden.