Bernd Pischetsrieder steht unter Druck. Der Gewinn des VW-Konzerns ist eingebrochen, der Golf enttäuschte, und die Autokonjunktur lahmt. Schon wird spekuliert, dass der 56-jährige Oberbayer an der Wolfsburger Konzernspitze bald abgelöst werde. Vorgehalten wird ihm, dass er wie einst als BMW-Chef - damals kostete ihn sein Zögern beim Rover-Debakel den Job - die Probleme nicht entschieden genug anpacke. Als möglicher Brutus im eigenen Hause wird Martin Winterkorn, der derzeitige Chef der erfolgreichen Konzerntochter Audi, gehandelt. Auf der Automesse in Genf, wo der Konzern schmucke Neuheiten wie den neuen Audi A6, den neuen Skoda Octavia und das VW Cabrio Concept C präsentierte, demonstrierten die beiden Topmanager traute Eintracht. Es gebe keine Differenzen in der Strategie, man verstehe sich prima und pflege ein fast schon freundschaftliches Verhältnis, betonte der 56-jährige Schwabe Winterkorn. Ausgerechnet den Audi-Chef als Alternative zu präsentieren wäre eine Ironie des Schicksals: Sowohl der schwer verkäufliche VW-Luxuswagen Phaeton als auch der allzu teuer konstruierte VW Golf V wurden unter der Regie des damaligen VW-Entwicklungsvorstands Winterkorn konzipiert. Und die teuren Überraschungen in Brasilien sowie bei der Währungsabsicherung rühren im Kern noch aus der Politik des jetzigen Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch.

Havanna-Raucher Pischetsrieder gibt sich derweil betont gelassen und möchte Winterkorn schon gar nicht als Gegenspieler sehen wie einst Wolfgang Reitzle im BMW-Vorstand. Sein Kommentar zu diesbezüglichen Spekulationen: "Die Geschichte wiederholt sich nicht."