Wenn ein Drama in den einschlägigen Lexika höchstens noch als Fußnote auftaucht, ist es so gut wie tot. Aus dem Bewusstsein getilgt, fällt es dem Vergessen anheim, es sei denn, ein Regisseur verlässt die ausgetretenen Pfade und schlägt sich mit der Neugier des Entdeckers in die Büsche. Oder in die Berge wie der Regisseur Hasko Weber, der im Stuttgarter Schauspielhaus ein frühes Horváth-Drama glänzend rehabilitiert. Er setzt Die Bergbahn, ein Stück über die Erschließung der Zugspitze in den zwanziger Jahren, auf eine symbolistische Bühne, die zur Arena der Kämpfe wird. Der Mensch ringt mit der Natur, der Arbeiter mit dem Kapital, der Mann mit dem Trieb, die Frau mit der Lieb - existenzielle Konflikte, die Weber in eine von apokalyptischen Stürmen umtoste Choreografie übersetzt. Radikal reduziert und mit enormer Dringlichkeit inszeniert, findet Die Bergbahn damit (fast) Anschluss an Horváths große Volksstücke, die in jedem Lexikon gefeiert werden: Seine sprachliche Entlarvungskunst wetterleuchtet hier schon durchs Gebirg.