Hörsaal 10-250 am Massachusetts Institute of Technology (MIT) war prall gefüllt, als drei Herren am vergangenen Donnerstag zum Schlag gegen George W. Bush ausholten: der MIT-Physiker Philip Morrison, der Harvard-Biologe Edward O. Wilson und Kevin Knobloch, Präsident der UCS, jener Union of Concerned Scientists, die seit 35 Jahren ein scharfes Auge auf politischen Missbrauch von Wissenschaft hat.

Die drei Herren gingen mit der Politik des Weißen Hauses scharf ins Gericht. Mitte Februar hatte die UCS ein Protestschreiben von 62 Wissenschaftlern veröffentlicht, darunter 20 Nobelpreisträger und 19 Träger der Nationalen Wissenschaftsmedaille. Die Bush-Regierung, heißt es darin, ordne das staatliche wissenschaftliche Beratungssystem "ihren politischen Zielen unter". Die Methoden: Beratungsgremien würden zunehmend mit ideologischen Alliierten besetzt, beratende Wissenschaftler in "sensiblen Fragen" immer häufiger "mit Maulkörben versehen". Wiederholt habe das Weiße Haus "wissenschaftliche Erkenntnisse unterdrückt oder verzerrt" – auf eine "der Sicherheit und dem öffentlichen Wohl abträgliche Weise".

Die UCS macht dahinter ein "etabliertes Muster von Vertuschung und Entstellung" aus. Und packte dem Protestbrief einen Bericht bei, der eine Fülle politischer Einmischungen auflistet. Das Dokument zeigt, auf welch nassforsche Art Berichte nationaler Behörden manipuliert, Erkenntnisse unterdrückt und Posten nach politischer Willfährigkeit umbesetzt werden. Anschaulich beleuchtet das Protestschreiben, welch wichtige Rolle bei den großen Themen der US-Politik – von der Kündigung des Kyoto-Klimaprotokolls bis zum Irak-Krieg – die Ausblendung von Wissen spielt.

Ein "Verschwörungsreport", schimpfte sogleich John Marburger, Bushs erster Wissenschaftsberater, sichtlich nervös angesichts der Vielzahl prominenter Unterzeichner. Das Ganze, befand er, sei eine "beunruhigende Fehlwahrnehmung", die auf einem "äußerst fehlerhaften" Bericht fuße.

Ansonsten zeigte sich das Weiße Haus ungerührt, goss sogar noch Öl in die Flammen. Ende Februar feuerte die Administration Elizabeth Blackburn, Zellbiologin an der University of California in San Francisco, aus dem President’s Council on Bioethics. Das Personalbüro des Weißen Hauses eröffnete ihr telefonisch, es seien "Änderungen" in der Zusammensetzung des Bioethikrates beschlossen worden. Ob dies bedeute, dass sie dem Rat fürderhin nicht mehr angehöre, fragte die Forscherin. Die Antwort war ein schlichtes Ja.

Ende 2001 war die Biologin mit 17 anderen in das neu geschaffene Gremium gebeten worden, als eine von drei Biomedizinern. Der Ethikrat berät Präsident George W. Bush seither bei schwierigen Themen wie Stammzellforschung und Klonen und hat einige Berichte hervorgebracht. Die Diskussionen innerhalb des Rates verliefen oft kontrovers.

Blackburn, eher eine Befürworterin der Stammzellforschung, ist nicht mehr erwünscht. Zu oft war sie mit dem Vorsitzenden Leon Kass, Ethiker an der University of Chicago, aneinander geraten. Gerade erst hatte sie ihm den Entwurf eines Essays zugeleitet, in dem sie den Rat kritisiert, weil der in zwei Berichten das Potenzial biomedizinischer Forschung und die Motivation einiger Forscher "verzerrt" dargestellt habe. Anders als die Ratsmehrheit hält sie die Gefahr von "Designer-Babys" für "höchst unwahrscheinlich". Und insistiert, Antrieb für die Stammzellforschung sei kein obskures Streben nach Unsterblichkeit, sondern die "Verhinderung und Heilung altersbedingter Krankheiten".

Weitere Posten im Ethikrat wurden vakant. Die Neuberufungen werfen ein Schlaglicht auf den Stil des Hauses Bush: Benjamin Carson, ein Doktor, der gern und viel von der Bibel spricht, Diana Schaub, Politologin, die vor allem durch Lob für den Ratsvorsitzenden Kass aufgefallen ist, und Peter Lawler vom Berry College in Georgia, der manches über die Unmoral der Abtreibung geschrieben hat. Man wünsche, hieß es aus dem Weißen Haus, "andere Kenntnisse und Erfahrungen".