spd Leise gehen die GenossenSeite 6/6

Heute zieht die SPD wieder eine klare Kante zum linken Rand, wo ein paar Abweichler eine neue Partei gründen wollen. Dass Benneters spezielle Qualifikation nützlich sein könnte, war noch nicht abzusehen, als Müntefering ihn im Februar als Generalsekretär vorschlug. Benneter, 56, ist ein Kumpel des Kanzlers. Das Wort „befreundet“ vermeidet er.

Gerhard Schröder gibt am kommenden Sonntag Macht ab, und wahrscheinlich beruhigt es ihn, wenn er einen Vertrauten im Willy-Brandt-Haus weiß. Dass es dort wirklich etwas zu tun gibt für Klaus Uwe Benneter, den Mann, der einst stolz auf den Spitznamen „Benni, der Bürgerschreck“ war, bezweifeln viele in der Partei. Um Trost für die Genossen will sich „Münte“ persönlich kümmern. Für die Organisation und den Umbau der Parteizentrale wird als neuer Bundesgeschäftsführer der langjährige Mitarbeiter Münteferings Kajo Wasserhövel zuständig sein. Benneter sitzt irgendwo dazwischen. Vorsorglich redet er seine Rolle klein, sagt, er wolle „vor allem in die Partei hineinwirken“, werde „an die Basis reisen“ und „reden, erklären, mitnehmen“. Ein erster Versuch am vergangenen Wochenende in Dresden ging ziemlich daneben, er stockte, verhaspelte sich, die Genossen waren erleichtert, als er zum Ende kam.

Sechs Jahre nach seinem Rausschmiss, 1983, durfte Benneter wieder in die Partei eintreten. Fortan machte er sich im abgeschotteten Milieu der Westberliner SPD auf den Weg nach oben und nach rechts. Landesvorstand, Schatzmeister, Abgeordnetenhaus. 2002 zog der Anwalt mit einem Direktmandat für Zehlendorf in den Bundestag ein. Benneter sagt noch immer: „Ja, ich bin ein Linker.“ Hält man ihm Zitate aus seiner wilden Jugend vor, grinst er breit. Im März 1977 hatte ihn der stern in einem Interview gefragt: „Glauben Sie im Ernst, daß sich die Arbeitslosigkeit durch Verstaatlichung von Großkonzernen beseitigen lässt?“ Benneter: „Natürlich.“

Verglichen damit, klingen die Linksabweichler der SPD des Jahres 2004 geradezu neoliberal.

 
Service