stahlGanz heiß auf Eisen

Der indische Familienkonzern LNM/Ispat kauft Osteuropas Hüttenwerke auf – und ist bereits der zweitgrößte Stahlproduzent weltweit

Ostrava, Tschechische Republik.
Vom mährischen Winter ist wenig zu spüren. Es riecht nicht nach Schnee, sondern nach Schwefel. Und der eisige Wind wird zum linden Lüftchen, wenn er durch die haushohen Stapel von Stahlblöcken streicht. Manche davon glühen noch und strahlen Temperaturen von einigen hundert Grad ab, eben erst hat ein gewaltiger Greifer sie vom Ende der Gießstrecke in das Reservelager vor der Halle gehievt.

Ingenieur Lumír Kucha≤ ist verärgert. „Anscheinend gibt es Probleme mit der Walzstraße, deshalb kommen die Blöcke erst mal hierher in Reserve“, sagt er. Weil aber die Gießanlage unaufhörlich den rund 1000 Grad heißen Stahl aus den Öfen aufnimmt, baut sich am Ende das wärmende Gebirge von Stahlhalbzeug auf. Wenn die Walzstraße irgendwann wieder läuft, muss es unter hohem Energieeinsatz neu erhitzt werden. Das kostet extra.

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So etwas kommt vor im Stahlwerk Ispat Nova Hut im tschechischen Ostrava. „Aber immer seltener“, sagt Kucha≤. „Wir haben immer weniger Produktionsunterbrechungen, unsere Ausbeute steigt permanent.“ Es hat sich viel verändert in jüngster Zeit.

Nach dem Zusammenbruch der Planwirtschaft war das Kombinat mit seinen einstmals 25000 Beschäftigten und einem Jahresausstoß von 3800 Tonnen Stahl ein hoffnungsloser Fall. Technisch veraltet, eine Dreckschleuder, überschuldet, in obskure Beziehungen mit Lieferanten und Abnehmern aus dem einstigen Ostblock verstrickt, chancenlos auf dem freien Markt. Fast 15000 Leute schickte die Werksleitung bis 2002 nach Hause und ließ damit die Arbeitslosigkeit in der Region auf fast 20 Prozent ansteigen. Die Verhandlungen mit möglichen Investoren scheiterten stets.

Bis Lakshmi N. Mittal kam. Anfang 2003 kaufte der 54-jährige indische Geschäftsmann dem tschechischen Staat die Mehrheit an Nova Hut ab. Er zahlte knapp 5 Millionen Euro und übernahm 370 Millionen Euro Schulden. Seither gehört das einstige Kombinat zur LNM/Ispat-Gruppe – dem zweitgrößten Stahlhersteller der Welt.

Im vergangenen Jahrzehnt kaufte Mittal Eisenschmelzen und Walzwerke auf vier Kontinenten. In aller Stille schuf der Mann aus Kalkutta den ersten wirklich globalen Stahlkonzern – zu dem auch zwei deutsche Werke gehören. Größer als er ist nur Arcelor, der Zusammenschluss der einstigen europäischen Größen Arbed, Usinor und Aceralia. Der indische Newcomer ist dabei, das Geschäft mit dem Stahl weltweit umzukrempeln.

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