stahl Ganz heiß auf EisenSeite 4/4

Fragt man Aditya Mittal nach den Erfolgsprinzipien hinter dem erstaunlichen Aufstieg des unbekannten Riesen, so lächelt der junge Mann erneut. Er spricht von guter Management-Praxis, von den Vorzügen des globalen Verbunds und den Chancen, die sich aus der Privatisierung in Osteuropa ergeben hätten, auch vom Glück auf sich gut enwickelnden Märkten.

Vor allem aber haben die indischen Investoren wohl einfach an diese Industrie geglaubt, als andere dem Stahlgeschäft Anfang der neunziger Jahre keine Zukunft mehr gaben. Die Konzerne in Japan, Europa und den Vereinigten Staaten kämpften mit Überkapazitäten auf ihren angestammten Märkten. Selbst wenn sie den Mut gefunden hätten, einen Deal wie den in Kasachstan zu wagen, die finanziellen Mittel hätten sie kaum aufgebracht. Erst in jüngster Zeit haben U.S. Steel und Arcelor begonnen, die Mittal-Strategie zu kopieren. Doch die Inder kommen bei den Bieterverfahren bisher häufiger zum Zuge, was wohl an ihrem Erfahrungsvorsprung bei der Sanierung alter Staatswerke liegt. LNM beliefert heute aus dem kasachischen Karmet den stahlhungrigen chinesischen Markt und fährt damit satte Gewinne ein. Und nach den Käufen in Rumänien, Tschechien und Polen ist auch der wachsende osteuropäische Markt fest in indischer Hand.

Gerade einmal 30 Leute arbeiten in Mittals Hauptquartier am Londoner Berkeley Square und steuern von der bescheidenen Büroetage aus den Weltkonzern. Sie rechnen fest damit, dass auch in Russland und der Ukraine noch etwas für sie zu holen ist. Und in China haben sie gerade den Vertrag für den Neubau eines Kaltwalzwerks abgeschlossen.

„Man soll nicht glauben“, sagt Aditya Mittal, „dass wir nur auf wachsenden Märkten erfolgreich sind. Wachsende, schrumpfende, entwickelte Märkte – uns interessiert alles, wenn der Preis stimmt.“ Die Stahlindustrie sei weltweit immer noch viel zu fragmentiert, sie werde von den hoch konzentrierten Rohstofflieferanten und den ebenso großen Abnehmerindustrien regelrecht in die Zange genommen. Wachstum sei deshalb alles.

„Früher meinte mein Vater, dass Stahlkonzerne künftig nur mit einer Produktion von mindestens 20 Millionen Tonnen überleben könnten. Und dass es deshalb weltweit bald nur noch ein oder zwei Dutzend Unternehmen geben würde“, sagt Aditya Mittal. „Wir produzieren jetzt schon über 40 Millionen Tonnen, und ich schätze die richtige Größe inzwischen auf 80 Millionen Tonnen.“

Sein logischer Schluss: „Mit dieser Kapazität kann es nicht mal mehr eine Hand voll Stahlkonzerne geben. Und wir werden einer davon sein.“ Denn: „Wir sind der globalste.“

 
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