In Bild bringen sie Fotos von einer Frau. Sie wohnt im Big Brother- Container, heißt Tatjana Gsell und hatte früher einen drolligen Spitznamen. Dagegen hat sie geklagt. Sie heißt jetzt so ähnlich wie der Sänger, der früher Prince hieß: The Woman Formerly Called Soundso. Sie ist die Witwe eines Schönheitschirurgen. Vielleicht hat er im Liebesrausch irgendwas Chirurgisches mit ihrem Busen gemacht, daher hatte sie den Spitznamen. Wenn er ihr stattdessen Portugiesisch, Flämisch und Finnisch beigebracht hätte, dann hieße sie jetzt "die Fremdsprachenwitwe".

Neulich traf ich einen Mann. Wir unterhielten uns über Männermagazine. Anlass des Gesprächs war die Tatsache, dass ein neues Männermagazin auf den Markt gekommen ist, es heißt Matador. Ich fragte: "Ist es dieses neue Projekt von Florian Illies?" Er sagte: "Nein." Ich sagte: "Wenn ich so ein Männerleben führen würde, wie die Männermagazine es vorführen, wäre ich längst tot." Man müsste morgens gleich nach dem Aufstehen eine Davidoff rauchen. Danach müsste man Sit-ups machen für die Bauchmuskeln. Dann Sex, anschließend Financial Times lesen. Danach mit dem Kabrio ins Büro. Im Büro, vor der Frühkonferenz, Sex mit der Sekretärin. Dann Karriere. Mittags joggen, im Park Ausprobieren der Anleitung für Eroberer aus Matador an Jessica, 25, Bildredakteurin, und an Ulrica, 30, Visagistin, danach einen Uhrenklassiker aus echtem Stahl und ein "Rosemary Mint Shampoo für feines Haar" kaufen, einen Malt Whisky trinken, nein, heute lieber zwei, wieder im Büro Sex mit der anderen Sekretärin, wobei die Sekretärin jünger sein muss als der Whisky, sonst zählt es nicht. Nachmittags schaut man sich im Büro auf Eurosport Autorennen an, macht Karriere und ersteigert bei eBay ein Internet-Date. Stärkungspräparat nehmen. Zweite Davidoff. In der Konferenz Rainer sagen, wo’s langgeht. Abends: Termin bei der Sexualtherapeutin Sabine Werning, Thema: neue Masturbationstechniken, danach zu Hause das Handy tunen und das Auto frisieren, dann Nightlife in den Klubs. Auf dem Weg dorthin im Auto Bildungsprogramm, eine CD über Hedgefonds. Um vier Uhr noch mal ins Büro, die Festplatte von Rainer löschen. Dann wieder Sit-ups, eine Davidoff und Sex mit den Girls von der Büroreinigungstruppe.

Der andere Mann sagte: "Die Männermagazine hassen uns. Sie wollen, dass wir aussterben. Deutschland soll nur noch aus Witwen bestehen. Die Männermagazine gehören bösen Witwen."

Dinge, die in mehr als 50 Prozent aller Männerleben eine Rolle spielen, aber selten oder nie in Männermagazinen auftauchen: Ikeamöbel aufbauen. Angst vor Haarausfall. Kochen. Aquarienfische kaufen. Hausaufgabenhilfe bei Halbwüchsigen. Angst vor Tanzkursen. Billige Werkstatt finden. Ausreden finden. Rauchen abgewöhnen. Keller aufräumen. Hautunreinheiten, Schuppen, Schnarchen. Das Alkoholproblem. Das Gedächtnisproblem, vor allem im Zusammenhang mit Geburtstagen.

Tatjana Gsell ist laut Presseberichten 32 Jahre alt. Ich möchte nicht uncharmant sein, aber ich finde, sie wirkt optisch eher älter. Bei wem ich bestimmt nicht Kunde werde: Schönheitschirurgen.

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