Die USA führen nicht nur Krieg gegen den Terrorismus, sondern befinden sich auch seit über dreißig Jahren im "War on Drugs". Die Bilanz des 1971 von Präsident Nixon ausgerufenen Kriegs gegen die Drogen ist allerdings niederschmetternd. Zwar hatte er – anders als der "War against Terrorism" – von Anfang an die Unterstützung der Vereinten Nationen. Doch sein Ziel, eine drogenfreie Welt im Jahr 2008, ist weiter entfernt denn je.

Wann immer ein kolumbianisches Koka-Anbaugebiet zerstört wird, entstehen in Peru und Bolivien zwei neue. Unterbrechen die Marines den Nachschub durch Panama mit einem Blitzkrieg, nehmen die Schmuggler den Luftweg nach Florida. Und selten ist das Drogengeschäft in einem Land so rasch expandiert wie nach dem Afghanistan-Krieg unter den Augen der Besatzungstruppen. "Der Law-and-Order-Ansatz in der Drogenpolitik ist gescheitert", folgert Raymond Kendall, langjähriger Generalsekretär von Interpol. Zusammen mit anderen ehemaligen Spitzenpolitikern plädiert er für ein Umdenken. Die harte Linie habe den Drogenkonsum nicht beeinträchtigt, sondern lediglich bewirkt, dass der Stoff immer teurer wurde – und Anbau und Handel immer lukrativer. Und die weltgrößten Abnehmer harter Drogen sind, ausgerechnet, nach wie vor die USA.

Nun scheint die Allianz der Drogenkrieger zu bröckeln. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte hat die Commission on Narcotic Drugs der UN bei ihrer am Montag zu Ende gegangenen Jahrestagung in Wien Zweifel am Sinn der bisherigen Haudrauf-Politik formuliert. Als "effektive Alternativen zu Verurteilung und Bestrafung von Drogensüchtigen" werden da plötzlich "Behandlung und Nachsorge" genannt. Der Bewusstseinswandel versteckt sich zwar in einer Resolution zur Aids-Prävention, aber auch große Entwicklungen beginnen oft mit Nuancen. Außerdem werden – eine weitere kleine Sensation – Substitution und Ausgabe sauberer Spritzen nicht mehr als Bruch internationaler Abkommen zur Drogenbekämpfung gegeißelt.

Die Europäer dürfen das als Erfolg verbuchen. Anders als die USA haben vor allem westeuropäische Länder den Schwerpunkt ihrer Drogenpolitik längst mit einigem Erfolg von der Strafverfolgung auf Aufklärung, Hilfsangebote und Gesundheitsvorsorge verlagert. In die Anbauländer schicken sie keine Jagdhubschrauber und Flammenwerfer, sondern Entwicklungsexperten, die den Kleinbauern helfen, mit legalen landwirtschaftlichen Produkten ein Auskommen zu finden.

Aber wie das in der internationalen Politik so ist: Obwohl die EU-Länder mit jährlich 33 Millionen Dollar die UN-Commission on Narcotic Drugs zum größten Teil finanzieren, werden europäische Positionen dort kaum gehört. Dabei ist nach 33 Jahren "War on Drugs" die Zeit reif für eine friedliche Drogenpolitik. Die zu formulieren wird allerdings weitaus komplizierter als das lautstarke Rühren der Kriegstrommel. Dirk Asendorpf