Film Jesus, fürs Kino gekreuzigtSeite 2/2
Bliebe das alles seine private Obsession, dann wäre es nur traurig. Gibson aber nimmt öffentlich Rache und benutzt dazu einen auf absurde Weise manipulierenden Hollywood-Film, der das Potenzial hat, ein Millionenpublikum zu erreichen. Damit hat er, am Beginn des dritten Jahrtausends, den progressiven Formen des Christentums den Fehdehandschuh hingeworfen und dafür seine mittelalterliche Sicht vor einer weniger fortschrittlichen katholischen und christlichen Welt ausgebreitet, die für seine Botschaft umso empfänglicher ist. Und er hat in einem Medium von beispielloser Kraft und homiletischer Reichweite die abscheuliche Verleumdung der ersten beiden Jahrtausende wieder aufleben lassen: dass nämlich die Schuld am Mord Gottes bei den Juden liegt.
© Daniel Jonah Goldhagen. Der Autor ist Mitglied des Minda de Gunzburg Center for European Studies in Harvard. 1996 erschien „Hitlers willige Vollstrecker“ und 2002 „Die katholische Kirche und der Holocaust“ (beide Siedler Verlag)
Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit
- Datum 25.03.2004 - 13:00 Uhr
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- Serie film
- Quelle (c) DIE ZEIT 25.03.2004 Nr.14
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