Kriminalroman Die unschuldige MörderinSeite 2/2
Wahr ist allerdings auch, dass Altenburg noch zu oft mit Füllmaterial arbeitet und die Szenerie nicht selten lediglich möbliert. Auch sind die zahlreichen Fäden, die er ausbreitet, an der Grenze des Bekömmlichen. Erstaunlich ist aber, wie professionell er sie am Ende wieder zusammenbindet, bis hin zum gewaltsam glücklichen Ende, das nun, ganz befreit von aller Wahrscheinlichkeit, nur das eine Ziel hat, den Leser samt Marthaler getröstet zu entlassen. Das ist nicht frei von Ironie, und man merkt, dass es Altenburg Spaß gemacht hat, den handwerklichen Erfordernissen eines Krimis Genüge zu tun. Das ist ihm wirklich gelungen, und der Kommissar Marthaler ist eine Figur, die auf Fortsetzungen gespannt macht.
Auf der anderen Seite dieses Schnitts durch die Sedimente einer westdeutschen Großstadt wird eine Liebeserklärung an Frankfurt sichtbar, und jeder, der die Stadt kennt, wird diese bizarre Form als die einzig mögliche begreifen. Die Frankfurter sollten Altenburg rechtzeitig einen ihrer Literaturpreise geben. Er hat mit seinen Büchern mehr für sie getan als die meisten ihrer Repräsentanten.
Wir können nicht alle Kafka heißen. Den Literarisierungsbemühungen mancher deutscher Autoren täte es gut, wenn sie sich hinabbegäben auf die schlichte Realität des Faktischen. Das hat auch der Schriftsteller Thomas Hettche mit seinem Krimi Der Fall Arbogast (2001) überzeugend und erfolgreich vorgeführt. Falls das Pseudonym Jan Seghers eine Verbeugung vor der großen Anna Seghers bedeuten sollte, die von einem leidenschaftlichen Interesse an der sozialen Wirklichkeit erfüllt war, so wäre das kein schlechtes Zeichen.
Jan Seghers: Ein allzu schönes Mädchen Wunderlich Verlag, Reinbek 2004; 464 S., 19,90 €Ein allzu schönes MädchenRomanBelletristikJan SeghersBuchWunderlich Verlag bei Rowohlt2004Reinbek19,90464- Datum 25.03.2004 - 13:00 Uhr
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- Serie belletristik
- Quelle (c) DIE ZEIT 25.03.2004 Nr.14
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