Leipzig Nachbeben einer BarbareiSeite 8/8

Fiechtner erzählt lange. Sächsische Satzkaskaden, wie vor 30 Jahren. Ich war kein Held, resümiert er endlich. Mein Leben war voller Anpassung, Kompromissbereitschaft, Opportunismus. Vielleicht ist es das Beste an der Wende, dass ich mit meinem Christsein Frieden schließen konnte. – Verblüfft erfährt man, dass Fiechtner aus christlichem Hause stammt. Partei und Beruf hielten ihn der Kirche fern. Im Polenurlaub wagte er sich zum Gottesdienst und schlich, immer mit Bange, zur Christvesper nach St. Nikolai. Und nun sei er wieder in die Kirche eingetreten.

Herr Fiechtner, sind Sie denn Christ?

Tja, die Frage Christ, ein weites Diskussionsfeld, da müsste man erst klären… Wenn man so in der DDR gelebt hat wie ich, dann scheut man sich, Denkweisen zu bekennen. Ich handle so, wie ich denke, dass ein Christ handeln sollte. Auch aus einem Schuldgefühl der Kirche gegenüber.

Er trank den letzten Schluck Kaffee, stieg in seinen Mantel, drückte die Schiebermütze ins schlohe Haar und war wieder verschwunden. Was immer am Augustusplatz entsteht – uns schien nach diesen beiden Stunden die Paulinerkirche nicht umsonst gestorben.

 
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