Die außergesetzliche Hinrichtung des Hamas-Führers Jassin hat auch die deutschen Sicherheitsbehörden alarmiert. Denn Hamas verfügt seit Anfang der neunziger Jahre über Ablegerorganisationen in aller Welt. In den USA, in Südafrika, in Großbritannien, in Frankreich, Italien, Belgien, Dänemark - und eben auch in Deutschland werben radikale Palästinenser um Herzen und Geld für den Kampf gegen Israel.

Rund 300 Anhänger der Hamas leben nach Schätzungen der Sicherheitsbehörden hierzulande. Sie, so heißt es aus Sicherheitskreisen, werde man in den kommenden Wochen besonders scharf beobachten. Ob sich die Szene radikalisiere, hänge sehr davon ab, "welche Welle aus dem Nahen Osten hier herüberschwappt". Jedenfalls könne der gewaltsame Tod des greisen Inspirators eine "kurzfristige Emotionalisierung" auslösen. Bisher allerdings hat die Hamas auf deutschem Boden noch keine Terroranschläge verübt, und auch in Zukunft ist das unwahrscheinlich. Ihre hiesigen Anhänger beschränken sich aufs Spendensammeln. Zwar verbot Innenminister Otto Schily aus diesem Grund im August 2002 den al-Aqsa e. V. in Aachen. Im Juli 2003 erteilte das Bundesverwaltungsgericht dem mutmaßlichen Hamas-Sponsor jedoch vorläufigen Rechtsschutz. Seitdem sammeln die Mitglieder wieder. Angeblich für "humanitäre" Zwecke.

Eine zweite Organisation, der Islamische Bund Palästina (IBP), trat bis vor einigen Monaten offen als Hamas-Stellvertreter in Deutschland auf. Die Gruppe hat laut Verfassungsschutz in NRW etwa 70 Mitglieder. Um die Gruppe sei es aber still geworden, seit ihr Führer schwer an Diabetes erkrankt sei. Der IBP indes lässt sich nicht verbieten: Er ist kein eingetragener Verein.