Der sechste GradSeite 2/2
Naja, aber auch das wissen wir eigentlich schon. Es ist der Grund, aus dem es Promoter gibt, die neue Popmusiker in die „richtigen“ Clubs und Fernsehshows einführen. Oder Fotomodelle, die in neuem Fummel auf „wichtige“ Parties in Hollywood geschickt werden, bis jeder genauso angezogen sein möchte. Und so weiter. „Ja ja, aber ich sage Ihnen: Diese Methoden haben weit weniger Erfolg, als man ihnen nachsagt. Wir glauben immer alle, dass wir solche sozialen Prozesse verstehen – bloß weil wir täglich davon umgeben sind. Aber eigentlich wissen wir gar nichts.“
So lautet also Duncan Watts nächstes Ziel reichlich unbescheiden: „Wir wollen erst einmal beweisen, dass solche Dinge, Massenerfolge oder Flops, letztlich von einem extrem zufälligen Startpunkt ausgehen“, sagt er. Ob Harry Potter oder Duncan Watts, „ob diese Dinge in menschlichen Netzwerken zu einem riesigen Erfolg heranwachsen oder nicht, kann man im Augenblick ihres Erscheinens fast gar nicht vorhersagen.“ Er will Experimente anstellen, den Beweis dieser Zufälligkeit führen. Ist das nicht alles ein bisschen deprimierend? Nachweisen, dass man nichts weiß? „Dann machen wir irgendwann den nächsten Schritt“, sagt Watts. „Wir wollen Regelmäßigkeiten finden und identifizieren.“
Aha, und dann kommt der erste Duncan-Watts-Bestseller heraus, trickreich und hoch wissenschaftlich in die richtigen Zirkel eingeschleust und zum Welterfolg katapultiert. „Mal sehen“, sagt Duncan Watts und lacht und sagt, „nein, wahrscheinlich nicht.“ „Natürlich kommen hier häufig Leute an und fragen mich, wie sie dies oder jenes Produkt am besten vermarkten können. Aber das hat mich eigentlich immer schon am wenigsten interessiert. Wenn ich eines Tages herausfinde, ob und wie man das System manipulieren kann – dann würde ich lieber um gesellschaftliche Einstellungen verändern, Ideen verbreiten wollen.“
Duncan Watts lehrt an der Universität Columbia in New York:
http://smallworld.columbia.edu/watts.html
- Datum 01.04.2004 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) ZEIT.de, 2.4.04
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