Viva kommt zuerst zum Interview. Dann die ZEIT. Zwei Mädchen von Viva wechseln mit Helge Schneider ins belichtungsfreundlich-helle Weinstübchen des Kölner Hotels. Zur blauen Trainingshose mit applizierten gelben Seitennahtstreifen trägt der Humorist, Jazzmusiker und Filmregisseur aus Mülheim heute einen Dufflecoat mit Kapuze, die er verwegen über die langen, zotteligen Haare wirft. "Ist das so gut?", grinst er von unten, als er sich die Sonnenbrille reinschiebt und der Waldschrat perfekt sitzt. Hank, der Hund liegt neben ihm. Jazz-Club heißt der Film, mit dem trefflich übersetzten Sprichwort als Untertitel: Der frühe Vogel fängt den Wurm. Die Viva-Redakteurinnen wundern sich, warum die Einstellungen so lange dauern und es so wenige Schnitte gibt. Er gesteht ihnen, dass seine Lieblingsszene die Anfangssequenz sei. Dort, wo ihm die Straßenbahn wegfährt und er geschlagene fünf Minuten an der Haltestelle steht. Doku-Fiction mit Standkamera in Mülheim. Ach so. Einmal antwortet er ihnen mit einem ellenlangen lateinischen Zitat. Bewundernswert. Er liest den Trinkspruch hinter ihrem Rücken von der Wand ab. Er hat einen Film gedreht, der überhaupt nicht witzig und doch grandios humorvoll ist. Es könnte seine eigene Geschichte sein und ist doch nur das Leben von Teddy, dem Jazz-Pianisten, der durch diverse Jobs seine brotlose Kunst unterfüttern muss – als Mann für gewisse Stunden des Nachmittags, als Austräger klatschnasser Zeitungen frühmorgens, als Fischverkäufer untertags. Und alles nur, um abends mit seinen Freunden in einer Gaststätte Jazz zu spielen.

DIE ZEIT: Der Jazz-Club, in dem Sie im Film auftreten, besticht durch völlige Leere. Kein Publikum. Beruht das auf persönlicher Erfahrung?

Helge Schneider: Ja klar, kenne ich. Wenn man sich entschließt, so ’ne Musik zu machen, oder weil man nichts anderes kann, muss man natürlich diesen Weg gehen. Ganz klar. Bei mir ist das jetzt so, dass die Konzerte immer gut besucht sind. Wahrscheinlich aufgrund meiner Persönlichkeit. Aber das muss man erst mal publik machen, das heißt, man muss erst mal vor leeren Sälen spielen. Irgendwie geht es dann von selber.

ZEIT: Bis man sogar Kinofilme darüber macht?

Schneider: Der Film ist eigentlich ein Nebenprodukt von dem, was ich im letzten Jahr mit Jimmy Woode und Pete York als Jazz-Konzert gemacht habe. Er ist eine Momentaufnahme, wie mein Leben hätte sein können. Ist schon Romantik drin, finde ich.

ZEIT: Diese ruhigen Einstellungen, die rein akustische Musik, der Film wirkt wie eine Feier des Handgemachten.

Schneider: Ja, ich habe alles rausgenommen, was elektronisch ist. Ich mag das nicht mehr. Meine Idee war, den Film so analog wie möglich zu machen. Dazu gehört nicht nur das Bild, sondern auch die Musik. Auf jeden Fall. Da musst du dich auch gegen die Leute im Studio behaupten. Man hat mir dauernd gesagt, das und das muss digital nachbearbeitet werden. Und dann habe ich mir das angeguckt und gesehen, dass das wie Gute Zeiten, schlechte Zeiten wird, wie Fernsehen, wie Werbung. Dieser Film muss einfach rau sein, keine Effekte. Auch bei Geräuschen: Wenn die nicht original sind, nehm ich sie wieder weg. Mir ist lieber, wenn da mal ein Geräusch fehlt. Wenn das stumm ist und ein bisschen Skizze bleibt.

ZEIT: Spricht da der Jazz-Musiker?