Häusliche Gewalt "Wer schlägt, ist hilflos"

Therapeut Franz Thurmaier über den Teufelskreis der Gewalt

DIE ZEIT: Warum schlagen Männer?

Franz Thurmaier: Fast immer steckt Hilflosigkeit dahinter. Der Mann sieht keine andere Alternative, sich durchzusetzen, also schlägt er. Das hat zum einen mit seiner körperlichen Überlegenheit zu tun, zum anderen mit der Geschichte seiner Erziehung. Bei vielen Männern spielt Gewalt in Kindheit und Jugend eine prägende Rolle. Sie waren Klassenstärkste, wenn’s Konflikte gab, mussten sie nicht lange diskutieren, haben kurz zugeschlagen und wurden von allen geachtet und bewundert. Solche Muster tradieren sich auch in die Beziehung. Wenn Konfrontationen mit ihren Frauen auftauchen, sind die Männer äußerlich wie versteinert, innerlich aber meist hocherregt und suchen irgendeinen Ausweg. Manche gehen türknallend davon oder lassen die Angriffe der Frauen regungslos über sich ergehen. Und andere haben eben gelernt: Ich schlag zu, dann ist Ruh.

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DIE ZEIT: Sind Männer in einer immer unübersichtlicher werdenden Umwelt mit sich überfordert?

Franz Thurmaier: Wenn sehr viel Stress auf uns einwirkt, verengt sich unser Horizont. Dann sehen wir gar nicht mehr alle Möglichkeiten, die wir hätten, und greifen auf Altgelerntes zurück, oft kommt noch ein Alkoholproblem dazu, trinkende Männer fühlen sich stark und sind enthemmt. Es ist ein Zufall, wenn jemand eine gute partnerschaftliche Kommunikation gelernt hat. Auch die Frauen haben sie nicht einfach so, sie sind nur bereiter dazu. Wir Männer stellen uns in aller Regel tollpatschiger an, wenn’s darum geht, gemeinsam ein Beziehungsproblem zu regulieren.

DIE ZEIT: Wann schlagen Männer?

Franz Thurmaier: Es ist sehr subjektiv, wann die jeweilige Grenze der Kommunikationsfähigkeit erreicht ist. Je hilfloser der Mann ist, desto schneller fällt er in alte Verhaltensweisen zurück. Gott sei Dank tun die meisten Männer etwas, um sich zu beruhigen, und gehen beispielsweise in den Keller und basteln.

DIE ZEIT: Ist weibliches Konfliktmanagement bisweilen ungewollt provozierend?

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  • Quelle (c) DIE ZEIT 01.04.2004 Nr.15
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  • Schlagworte Gewalt | Familie und Partnerschaft | Therapie
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