momente der entscheidung Der Tüftler im GlashausSeite 3/3

Die drei Männer, mit Kilian im Rücken, gründen 1890 die Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG), Daimlers Partner Maybach kommt ebenfalls mit zur DMG. Von Anfang an gibt es Konflikte um die Firmenpolitik. Während Duttenhofer und Lorenz vor allem mit Bootsmotoren und stationären Aggregaten rasch Kasse machen und die DMG mit den Deutzer Gasmotorenwerken zu einem Konzern verschmelzen wollen, arbeiten Daimler und Maybach fieberhaft weiter an der Entwicklung des Automobils, dem der große geschäftliche Erfolg zunächst versagt bleibt. Außerdem hat sich der gutgläubige Daimler von seinen beiden Geschäftspartnern bei der Firmengründung überrumpeln lassen. Als er schließlich merkt, dass er wieder einmal von den „Kaufleuten“ abhängig geworden ist, ist es zu spät. Abermals bombardiert er seine Geschäftsfreunde mit Briefen, will Boden gutmachen. Die genervten Kompagnons versuchen dagegen, sich des renitenten Firmengründers, der von seinen teuren Forschungen nicht lassen will, gänzlich zu entledigen. Daimler kontert den feindlichen Übernahmeversuch, gründet zusammen mit Maybach im Gartensaal des Cannstatter Hotels Hermann ein von der DMG unabhängiges „Entwicklungszentrum“. Dort entsteht der „Phönix-Motor“, eines der modernsten Aggregate seiner Zeit, das weltweit Aufsehen erregt.

Es hilft alles nichts: 1894 wird Daimler dann doch aus der DMG hinausgedrängt. Ein Jahr später scheint sich das Blatt erneut zu wenden. Ohne Daimler und Maybach, der die DMG ebenfalls verlassen hat, lahmt das Geschäft der Gesellschaft. Sowohl technisch wie finanziell geht es bergab. Auf Druck des englischen Industriellen Frederick R. Simms, der die Lizenzrechte an dem Phönix-Motor nur erwerben will, wenn Daimler in die DMG zurückkehrt, bieten Duttenhofer und Lorenz dem geschassten Partner einen „Wiedergutmachungs-Vertrag“ an. Ihm soll wieder die volle technische Verantwortung eingeräumt werden. Daraufhin kehrt die ganze Mannschaft aus dem Hotel Hermann in die DMG zurück. Was zunächst wie ein Sieg Daimlers aussieht, ist aber doch nur ein vorübergehender Waffenstillstand. Obwohl mithilfe der hohen Lizenzgebühren von Simms finanziell saniert, starten Duttenhofer und Lorenz einen erneuten Versuch, Daimler zu entmachten, scheuen vor regelrechtem Mobbing nicht zurück. Dass sich Daimlers Gesundheitszustand 1899 dramatisch verschlechtert, mag an diesem Konflikt um die Zukunft seines Lebenswerkes gelegen haben.

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Am Ende hat Daimler nicht mehr die Kraft, seine beiden Geschäftspartner in die Schranken zu weisen. Starrköpfig versucht er zwar, seine noch unrentablen Visionen der Massenmotorisierung gegen die merkantilen Interessen der „Kaufleute“ zu verteidigen. Aber am 6. März 1900 stirbt Gottlieb Daimler. Seiner Witwe und seinen vier erbberechtigten Kindern hinterlässt er nur rund ein Viertel des Aktienkapitals der DMG.

Auch posthum ist der Streit noch nicht beendet. Nun rächt sich, dass Daimler Lizenzgebühren aus Frankreich unterschlagen hatte. Duttenhofer droht der Familie mit einem Skandal und erwirkt deren Verzicht auf alle Ansprüche an der Führung des Unternehmens. Mit einer kurz darauf beschlossenen Kapitalerhöhung wird die Familie endgültig in die Rolle einflussloser Kleinaktionäre gedrängt. Auf die Geschicke des heutigen Weltkonzerns DaimlerChrysler haben die Daimler-Nachkommen, ebenso wie die der Familie Benz, keinen Einfluss mehr.

Eine kleine Pointe der Daimler-Geschichte: Allein die Maybach-Erben sind noch aktiv in der Konzernführung tätig. Eine Enkelin des Konstrukteurs sitzt im Aufsichtsrat der DaimlerChrysler-Tochter MTU Friedrichshafen GmbH, Nachfolgeunternehmen der von Wilhelm Maybach und seinem Sohn Karl nach seinem Abschied von der DMG gegründeten Firma, die den Grafen Zeppelin mit Luftschiffmotoren versorgte.

 
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