Soziales Die kommende ArmutSeite 2/2
Als vor einigen Jahren der damalige BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel keck und provozierend fragte: „Kennen Sie etwa einen Armen?“, schauten viele Politiker erschrocken und ratlos zurück. Es gab die Armen zwar schon damals, doch inzwischen ist es selbstverständlicher geworden, über Unterschichten und deren Verwahrlosung zu reden. Man weiß, dass Armut nicht nur eine Frage von Besitz und Einkommen ist (sonst wären die meisten deutschen Studenten „arm“). Es kommt nicht bloß auf die Außenansicht an.
Vor allem aber wächst die Einsicht in der Politik, dass nicht jede Form von Umverteilung die Wachstumskräfte bremst: Eine höhere Erbschaftsteuer nach amerikanischem Vorbild zum Beispiel wäre nicht leistungsfeindlich – im Gegenteil. Die Umstellung auf ein Gesundheitssystem, aus dem sich die Wohlhabenden nicht länger verabschieden dürfen, würde die Lohnnebenkosten senken und Arbeit billiger machen.
Selten war so klar, wer in Zukunft Unterstützung verdient und wer mehr für die Gemeinschaft leisten kann. Die Rentner- und Gewerkschafts-Apo hat soeben versäumt, daran zu erinnern. Sie wird für Reformen nicht gebraucht.
- Datum 07.04.2004 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 07.04.2004 Nr.16
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