Die Araber haben keine demokratischen Vorreiter

M. Thumann: "Zum ewigen Krieg" und G. Dachs: "Sozialwerk der Bombenwerfer", ZEIT Nr. 14

Demokratie mit freien Wahlen, demokratischen Parteien, Emanzipation der Frauen, unabhängigen Medien, Entwicklung von Schulen und Wirtschaft, so lautet das ehrgeizige Ziel vieler westlicher Nationen für die arabischen Staaten. Das Problem liegt jedoch in der Verkörperung der Stimme des Volkes durch Vordenker, die mit der Entwicklung von Demokratie eng verbunden sind.

In Europa gab es bereits 1215 die Magna Carta. Es dauerte weitere 500 Jahre, bis Baron de Montesquieu und John Locke von Gewaltenteilung oder balance of power sprachen.

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Den arabischen Staaten fehlen diese Wegbereiter, die essenzielle Elemente einer sich entwickelnden Demokratie darstellen. Ohne solche Vorbilder aus den eigenen Reihen, mit denen sich die arabische Bevölkerung identifizieren kann und die die Massen in Bewegung setzen können, ist eine Demokratie in diesen Ländern nicht möglich.

Martin Riegger München

Das Schachspiel des Todes im Nahost geht weiter. Nun ist Scharon meines Erachtens schon einige Male zu weit gegangen, doch er schafft es leider jedes Mal, sich noch zu steigern. Die gezielte Tötung des obersten Führers der Hamas - ohne Zweifel die derzeit radikalste Terrororganisation im Nahost - ist nicht nur völkerrechtswidrig, sondern fördert die Radikalisierung der Palästinenser in einer ungeahnten Weise. Zweifellos liegt dies in Scharons Kalkül, doch wirklich abschätzen lassen sich die Folgen nicht. Noch mehr Selbstmordattentäter und noch mehr unschuldige Israelis und auch Palästinenser werden sterben.

In diesem Zusammenhang darf auch nicht außer Acht gelassen werden, dass die Hamas bei und nach ihrer Gründung einige Zeit von den damaligen israelischen Regierungen unterstützt wurde. Dies soll nun weder eine Erklärung noch eine Rechtfertigung für die blutigen und unmenschlichen Terroranschläge der Hamas sein, aber es offenbart uns einen Blick auf die teilweise sehr kurzsichtig betriebene Politik Israels.

Nun bleibt noch Jassir Arafat. Er könnte das nächste Ziel von Scharons einseitiger Politik werden. Scharon hat bereits genug angerichtet, es ist für ihn an der Zeit zu gehen. Israel braucht eine Regierung, die wohl dem Schutze der Bevölkerung Rechnung trägt, sich aber genauso und glaubwürdig für eine friedliche Lösung mit den Palästinensern einsetzt.

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