Kunstsammlung Kunst mit NebenabsichtSeite 3/3

In Berlin wollte man von solchen Nebenabsichten nichts wissen. Die kritischen Stimmen blieben in der Minderheit, zumal sich Flick irgendwann auf den öffentlichen Druck hin entschlossen hatte, in Potsdam eine Stiftung gegen Rassismus zu gründen. „Ich könnte mir vorstellen, dass dies meine Kritiker etwas milde stimmen wird“, sagte er damals der Neuen Zürcher. Damit war für ihn offenbar der historischen Verantwortung Genüge getan, und führende Politiker Berlins schlossen sich diesem Gefühl dankbar an. Neuerdings aber wird das Rumoren lauter, selbst aus dem Ausland vernimmt man Kritik. Die amerikanische Holocaust-Forscherin Deborah Lipstadt beklagte vor ein paar Wochen in einem Brief an die deutsche Regierung die Rehabilitierung Flicks und merkte süffisant an, die Verschleierer der Geschichte seien oft schlimmer als die Verleugner. Auf eine Antwort wartet sie bis heute.

„Entscheidend ist, dass diese Sammlung mit Geld aus trüben Quellen gekauft wurde“, schließt sich Korn der Kritik an. „An der Kunst kleben die blutigen Fingerabdrücke der Geschichte.“ Nie habe sich die Familie Flick bemüht, diese Geschichte aufzuarbeiten. Stattdessen suche man nun, auf dem Wege der Kunst ein „Gütesiegel der Öffentlichkeit“ zu erlangen, und die Bundesregierung mache dies Spiel auch noch mit. „Das ist ein Projekt forcierter Normalisierungspolitik.“

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Tatsächlich kann man sich darüber wundern, dass in der Ausstellung mit keinem Wort an den familiären Hintergrund des Sammlers erinnert werden soll. „Wir wollen Kunst und Politik klar voneinander trennen“, sagt der Kurator Blume. Und auch Wowereit wünscht sich eine Versöhnung mit der Geschichte, damit die „Verknüpfung der gesammelten Kunst mit der Geschichte des Sammlers inhaltlich aufgehoben werden kann“.

Dass die Zwangsarbeiterschicksale in den Flick-Unternehmen nicht gänzlich von der Flick Collection überstrahlt werden, dafür müssen nun Privatleute wie Armin Huttenlocher sorgen. Er gehört zu den Mitbegründern des Fördervereins Dokumentation Zwangsarbeiter, der in einer Parallelausstellung die Geschichte der Flicks ausleuchten will. Die Stadt wird dies Vorhaben nicht unterstützen, der Sammler, sagt sein Sprecher, würde gern helfen. In Wahrheit allerdings hat er bislang alle Einladungen des Vereins klar zurückgewiesen – mit dem Hinweis, er sei „ein in öffentlichen Auftritten dieser Art nicht gerade geübter Mensch“. Dies gilt wohl aber nur für Auftritte, bei denen er auf skeptische Fragen treffen könnte. Einer Einladung zur Plauderei vor geladenem Publikum im Kanzleramt folgte er gern.

So fragt man sich verwundert, warum Flick ausgerechnet jene Künstler besonders liebt, die nach den Schnittstellen von Politik, Geschichte und Ästhetik suchen – wo er selber doch die Sphären strikt trennen will. „Das Kunstwerk steht für sich“, erklärt er sein Verhalten; seine Sammlung habe nichts mit seiner Familiengeschichte zu tun. Und Kulturministerin Weiss bestätigt ihn in dieser Auffassung, wenn sie behauptet, das Museum könne die Werke der Collection „in seine Arbeit so einbeziehen, wie wenn es eigener Museumsbestand wäre“. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Die Bilder und Skulpturen werden keineswegs mit den Beständen der Berliner Häuser frei durchmischt, vielmehr bekommen sie ein eigenes Haus und erscheinen dort unter Flicks Namen – als seine Werke und als sein Werk. Die Kunst ist nicht nur Kunst, sondern vor allem Teil einer Sammlung, deren Logik sie folgt. Und dessen Besitzer sie rühmt.

 
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