mannesmann-prozess Das Ende der Selbstbedienung
Auch wenn die Angeklagten freigesprochen werden – der Mannesmann-Prozess hat Folgen für alle Manager
Nein, dem Volk wird nicht gefallen, was da aller Voraussicht nach demnächst in seinem Namen verkündet wird: Freisprüche für Ackermann, Esser, Zwickel & Co. Das Volk wird sich ärgern darüber, dass die 14. Große Wirtschaftsstrafkammer des Düsseldorfer Landgerichts weiße Westen ausgeben will, ausgerechnet an die Symbolfiguren der öffentlichen Debatte um die haltlose Geldgier deutscher Kapitalisten.
Aber: Wer oder was ist das überhaupt – das Volk?
Lassen wir Michael Müller sprechen, einen seiner Vertreter, Vizefraktionschef der SPD im Bundestag. Er nennt die möglichen Freisprüche im Mannesmann-Prozess eine „Sauerei“. Tatsächlich hat er damit wissen lassen, dass er, Müller, Volksvertreter, lieber als Verstärker von Volkes Stimme auftritt (oder, was er dafür hält). Und dass er nicht in der Lage ist, zwischen Rechtsstaat und Schweinestall zu differenzieren.
Was ist geschehen?
Nach 11 Wochen, 16 Verhandlungstagen und der Vernehmung von mehr als 30 Zeugen hat Richterin Brigitte Koppenhöfer ein „vorläufiges Resümee“ ihrer Kammer gezogen. Und das lautet: „keine strafbare Untreue“.
Die Sache, von der der Fall Mannesmann handelt, ist vier Jahre und zwei Monate alt. Damals, Anfang Februar 2000, unterlag der Mannesmann-Chef Klaus Esser nach einer spektakulären Übernahmeschlacht dem britischen Mobilfunk-Konkurrenten Vodafone und dessen Chef Chris Gent; unmittelbar danach genehmigte das für Vorstandsdinge zuständige Aufsichtsratspräsidium von Mannesmann seinen Managern und deren Erben Prämien und Pensionsabfindungen von insgesamt gut 111 Millionen Mark. Klaus Esser allein erhielt eine Prämie von etwa 30 Millionen.
In diesem Präsidium saßen Aufsichtsratschef Joachim Funk, der heutige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der damalige IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel und Konzernbetriebsratschef Jürgen Ladberg. Sie alle sitzen nun auf den Anklagebänken, ebenso wie der Hauptbegünstigte Klaus Esser und der Exmanager Dietmar Droste.
- Datum 24.10.2006 - 12:13 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | 4 | Auf einer Seite lesen
- Quelle (c) DIE ZEIT 07.04.2004 Nr.16
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:



