Reform Freiheit für die UniversitätSeite 4/4
Die hochschulpolitischen Akteure in Deutschland, die sich nach Stippvisiten als Experten des amerikanischen Hochschulwesens ausgeben, sind oft beeindruckt von dem, was sie von außen beobachten. Den inneren Zusammenhang jedoch verstehen sie kaum. Sowenig sich ein Bachelor-Studium ohne Sinnentstellung aus den USA übernehmen lässt, lassen sich Elite-Universitäten auf Kommando schaffen.
Doch auch schlechte Einfälle haben oft gute Seiten. Elite ist nun kein verpöntes Wort mehr in Deutschland. Um Forschung und Bildung voranzutreiben, braucht es nun einmal Zugpferde. Diese funktionieren nur, wenn sie ihrem Gespann nicht davonlaufen, sondern jene im zweiten und dritten Glied mitziehen. Das deutsche Hochschulwesen ist jedoch alles andere als ein funktionierendes Gespann. Es wird durch Überfüllung und Beamtenstruktur gelähmt. Zudem blasen die politischen Postillione in alle Richtungen. Dem Professorat sind die Zügel längst entglitten. Wichtiger als die Forderung nach Elite-Universitäten ist es, die Hochschulen aus ihrer Gefangenschaft in die Freiheit zu entlassen, damit sie zu neuer Mündigkeit finden können. Sie müssen selbstständige Ideen entfalten und dürfen sich nicht allein an importierten Mustern orientieren.
Der Autor lehrt seit 1976 in Harvard und war von 1992 bis 2000 Dekan der Graduate School of Arts and Sciences. Er ist Honorarprofessor der Universität Freiburg und Direktor des Bach-Archivs Leipzig .
Alles schon gesagt?
Diskutieren Sie über dieses Thema mit in der
Campus Community und klicken Sie hier
!
- Datum 15.04.2004 - 14:00 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | 4 | Auf einer Seite lesen
- Quelle (c) DIE ZEIT 15.04.2004 Nr.17
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:






