DIE ZEIT: Ihr Vater war Sozialist, ein Cousin Anarchist, und Sie wuchsen am Lago Maggiore auf, in einer Gegend Italiens, die auf ihre lange Tradition des Geschichtenerzählens stolz ist – wenn man Ihre gerade erschienene Autobiografie liest, hat man den Eindruck, dass Sie gar keine andere Wahl hatten, als ein linker Theatermann zu werden.

Dario Fo: Oh nein! Wie viele Söhne linker Väter haben genau die andere politische Richtung eingeschlagen? Und umgekehrt: rechter Vater, linker Sohn. Heute habe ich Cousins, die rechts sind. Ich musste nicht gegen meinen Vater kämpfen, sondern gegen die faschistische Armee, die mich schlucken wollte. Ich bin geflohen, und wenn sie mich gekriegt hätten, hätten sie mich an die Wand gestellt. Damals konnte man sich nicht hinstellen und sagen: Ich bin links. Es hatte seinen Preis. Damals gab es viele junge Menschen, die so wie ich vor dem faschistischen Regime geflohen sind und sich den Partisanen angeschlossen haben. Man brauchte Mut.

ZEIT: Und heute braucht es keinen Mut mehr, zu sagen: Ich bin links?

Fo: Das will ich nicht sagen. Es gibt auch heute noch viele mutige junge Menschen, die etwas erreichen wollen, die etwas bewegen. Und dann gibt es natürlich die vielen Desinformierten, die abwesend sind: die Trägen, um es mit Dante zu sagen. So nannte er diejenigen, die nicht am öffentlichen Leben teilnehmen.

ZEIT: Sie haben es als Bürgerpflicht bezeichnet, mit einem neuen Stück auf die Bühne zurückzukehren.

Fo: Es gibt heute sehr viele linke Theatergruppen, die keinen Platz in der Öffentlichkeit haben. Wir müssen alle Möglichkeiten nutzen – die Lokalradios, lokale Fernsehstationen, alles. Wir brauchen eine Gegenöffentlichkeit.

ZEIT: Sie sind Nobelpreisträger, Sie haben über 70 Theaterstücke geschrieben und sind jetzt, anstatt sich zur Ruhe zu setzen, mit Ihrem neuen Stück, der Berlusconi-Farce Der anormale Doppelkopf, unermüdlich durch ganz Italien gezogen.