Roman Ach, du Eisen-PimmelSeite 2/2
Wenn es bei Kunkel traurig wird, wenn Gegenwärtiges fadenscheinig, Verlorenes beklagt wird, dann sind es entweder die deutschen Werte, die deutsche Kultur, über deren Verlust lamentiert oder die deutschen Städte, deren Vernichtung im Bombenkrieg wortreich gegeißelt wird. Wenn es fröhlich zugeht, ist ein neuer Erdgeist in Sicht, eine Art Körpergott, der dem schnöden Mammon, der Weltherrschaft des Geldes, ein Ende bereiten soll.
Will sagen: Die nationalsozialistische Binnenperspektive, erleichtert um den Antisemitismus, angereichert um den Biotechnizismus, garniert mit einer Prise Mystik und viel Bauch, Bein und Po, ist der intellektuelle Horizont – oder besser: das steile Markenoutfit – dieses Romans. Nach annähernd sechshundert Seiten glaubt man Kunkel, was er diesen unverwüstlichen deutschen Leuten in den Mund legt. Die Maschine Mann, dessen Psyche eliminiert, dessen Inneres funktionalisiert, dessen Trieb verabsolutiert ist, macht das Rennen. Dem Weibchen, Heilige oder Hure gleichviel, stehen da vor Staunen nur noch die Beine offen. So gesehen: nicht viel Neues.
Thor Kunkel: Endstufe Eichborn Berlin Verlag, Frankfurt a. M. 2004; 589 S., 24,90 ¤EndstufeRomanBelletristikThor KunkelBuchEichborn2004Frankfurt a. M.24,90589- Datum 15.04.2004 - 14:00 Uhr
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- Serie belletristik
- Quelle (c) DIE ZEIT 15.04.2004 Nr.17
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