Grossbritannien Londons freie RadikaleSeite 3/3

Dafür wurde der Autor von Trevor Philipps, einem Labour-Politiker westindischer Abstammung und Vorsitzender der Commission for Racial Equality (CRE), mit dem Vorwurf des „Rassismus“ bedacht. Die einflussreiche Institution hatte der britische Staat gegründet, um Integration ethnischer Minoritäten zu fördern und Diskriminierung zu beseitigen. Damit, immerhin, will Philipps jetzt Ernst machen. Gerade sorgte er für Schlagzeilen, als er Integration statt Multikulturalismus forderte, der die Gräben in der Gesellschaft vertieft statt eingeebnet habe. Mit besorgtem Blick auf die muslimischen Bevölkerung erklärte Philipps, das Recht auf Respekt für andere Kulturen dürfe nicht länger als Recht gedeutet werden, alte Kulturen innerhalb der modernen britischen Gesellschaft zu konservieren. Ein Muslim in Großbritannien zu sein bedeute etwas anderes, als ein Muslim in Riad oder Islamabad zu sein. Vom Recht der Gleichheit für Frauen und sexuelle Minderheiten wie der Toleranz der britischen Gesellschaft dürfe sich „niemand zurückziehen“. Woraufhin der Muslimische Rat protestierte.

Offenkundig wird Integration nicht einmal mehr in den Koranschulen der moderaten muslimischen Mehrheit aktiv gefördert. Stattdessen geht es vielen Muslimen um ihre eigene Identität, um den heiligen Auftrag des Islams, um Abgrenzung und die Überwindung der dekadenten Gesellschaft der Ungläubigen. Kulturelle und religiöse Regeln, die junge Muslime früher oft fein säuberlich voneinander getrennt hielten, nach dem Motto „Ich bin noch zu jung, um nach strengen Regeln zu leben“, verschmelzen nun immer häufiger. Ein Indiz dafür ist, wie viele junge Frauen das Kopftuch tragen, ob freiwillig, weil es rebellisch und „cool“ ist, oder weil ihre Väter und Brüder darauf pochen. Die Kolonien der muslimischen Parallelgesellschaften wachsen, im Lande wie in den Köpfen. Auch Ali, einst ein Yuppie, wie er im Buche stand, ist Teil der Entwicklung, die der britische Historiker Niall Ferguson mit einem Hauch Ironie als „schleichende Islamisierung eines dekadenten Christentums“ bezeichnet.

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