Finanzvermittler nutzen staatliche Förderungen gerne als Werbung für hoch riskante Geldanlagen. Stille Beteiligungen, GmbHs, Genossenschaften - in den achtziger Jahren peppte der Gesetzgeber den so genannten Förderkatalog des Vermögensbildungsgesetzes kräftig auf. Arbeitnehmer sollten mal Unternehmergeist spüren und ihre vermögenswirksamen Leistungen (VL) nicht länger nur in langweilige Sparbücher investieren dürfen. Das Experiment endete mit einem fürchterlichem Flop - für die Arbeitnehmer.

Denn kaum war das neue Gesetz in Kraft, zogen landauf, landab Drückerkolonnen von Haustür zu Haustür. Sie warben für Beteiligungen an Unternehmen, die meist eigens für den Zweck des Geldeinsammelns gegründet worden waren.

Die Anleger vertrauten darauf, das Geschäft müsse schon in Ordnung sein.

Warum sollte es Vater Staat sonst fördern? Nach Schätzungen der Verbraucherzentralen gingen damals Zehntausende Arbeitnehmer den Abzockern auf den Leim und verloren teilweise ihre gesamten Einlagen. Pompöse Vertriebs- und Verwaltungskosten hatten das Geld vernichtet. Mitunter waren aber auch schlicht Gauner am Werk, die die Einzahlungen veruntreuten.

Die stillen Beteiligungen flogen schon nach drei Jahren wieder aus dem Förderkatalog. Mit den staatlich geförderten Anlagen bei Genossenschaften und GmbHs dauerte es etwas länger, bis der deutsche Gesetzgeber reagierte und Mitte der Neunziger den Spuk beendete (was ihn allerdings nicht daran hinderte, wenig später neu gegründete Baugenossenschaften in das Eigenheimzulagengesetz aufzunehmen). Für die Anlage von VL ist lediglich die GmbH des eigenen Arbeitgebers noch zugelassen.

Vielen VL-Anlegern aber half diese Reform der Reform wenig, denn sie waren durch langfristige Verträge geknebelt. Schließlich griff der Gesetzgeber zu einem ungewöhnlichem Instrument, um seinen Fehler zu korrigieren. Er schuf ein gesetzliches Sonderkündigungsrecht. VL-Anleger, die davon rechtzeitig Gebrauch machten, kamen zwar wenigstens aus den Verträgen mit GmbHs und Genossenschaften raus. Viele von ihnen machten kurz darauf aber lange Gesichter, als die Abfindungen mitgeteilt wurden: Oft hatten die Geschäftsanteile nur noch einen Erinnerungswert von einer Mark.

Jene, die die Frist für die gesetzliche Sonderkündigung verpassten, mussten auch noch bis Vertragsende aus eigener Tasche weiterzahlen. Einen Zuschuss vom Arbeitgeber oder gar die staatliche Arbeitnehmersparzulage bekamen sie aber für die inzwischen als untauglich erkannten Anlagen nicht mehr.