Kleine Fundstücke im Kölner Müllprozess stürzen die Stadtpolitik erneut in Turbulenzen. Dieses Mal ist es eine schriftliche Anweisung, die der Müllunternehmer Hellmut Trienekens im Jahre 2001 seiner Sekretärin gab. Der Vorsitzende Richter Martin Baur las vor - und nun ist die komplette Kölner Müllwirtschaft führungslos.

Am vergangenen Freitag wurden der Geschäftsführer der Abfallwirtschaftsbetriebe AWB (Müllabfuhr und Straßenreinigung) Friedrich Homann und der Abfallverwertungsgesellschaft AVG (Müllverbrennung) Peter-Olaf Hoffmann von den Gesellschaftern der Unternehmen (Stadtwerke beziehungsweise Stadtwerke und RWE Umwelt) beurlaubt. Heinz Schürheck, der in beiden Unternehmen für Personalfragen zuständig ist, lässt seine Arbeit freiwillig ruhen.

Der Grund dafür: Alle drei haben neben ihren Gehältern umfangreiche Zahlungen von Trienekens angenommen. Trienekens, der sein Müll-Imperium später an die RWE verkaufte, war zur entsprechenden Zeit an beiden Unternehmen beteiligt.

In der pikanten Büro-Notiz wies Trienekens seine Sekretärin an, den AWB-Chefs fette Prämien zu überweisen. Homann bekam demnach 100 000 Mark, Schürheck 50 000 - beide mit Dank für ihren "großartigen Einsatz". Nun rätselt Köln, welche Leistungen damit honoriert wurden.

Im Jahr 2000 hatte Trienekens nach einer umstrittenen Ratsentscheidung die Hälfte der Abfallwirtschaftsbetriebe erworben. Schürheck, damals als ÖTV-Bezirksvorsitzender entschiedener Gegner der Privatisierung, wurde dort anschließend Geschäftsführer für Personal.

Bei den Stadtwerken wird nun seit einer Woche geforscht, ob die Zusatzeinkommen der Geschäftsführer genehmigt waren. Genau das sollen die geschassten Manager nach Informationen aus dem Konzern nämlich behaupten. Sie seien sich keiner Schuld bewusst. Auch Hellmut Trienekens ist empört. Der Patron lässt über seinen Anwalt verlauten, er sei "verbittert, weil der Eindruck entstehe, dass das alles heimlich passiert ist". Alle Zahlungen seien offen und transparent gewesen. Tatsächlich hat auch der dritte beurlaubte Manager, AVG-Geschäftsführer Peter-Olaf Hoffmann, seine Trienekens-Bezüge als Zeuge im Müllprozess bereitwillig offen gelegt. Er bekam bis zu 75 000 Euro: unter anderem für Lobbying, weil er in den neuen Bundesländern das Kölner Müllkonzept anpries. Alles genehmigt, sagte Hoffmann vor Gericht. Sollte dies zutreffen, blieben die drei Geschäftsführer wohl im Amt. Statt ihrer wäre dann die Spitze der Stadtwerke in Erklärungsnot.