Bayreuth
Promi-Parkett in der fränkischen Einöde mit internationalem Flair. Ein funktionierendes Beziehungsgeflecht ist Voraussetzung dafür, um überhaupt an Karten für die Bayreuther Festspiele heranzukommen. Am besten ist dran, wer Edmund Stoiber persönlich kennt. Das eröffnet Zugang zum Kartenkontingent der Bayerischen Staatskanzlei. Sonst heißt es: warten. Wer jedes Jahr seinen Bestellschein ausfüllt, muss im Schnitt fünf bis zehn Jahre ausharren, bis der Kartenwunsch einmal in Erfüllung geht. Alternativ kann man sich auch auf dem Schwarzmarkt umschauen, was allerdings ein teures Vergnügen ist. Schließlich sind die Wagner-Festspiele traditionell siebenfach überbucht. Gegenwert: hochklassiger Operngenuss, Tuchfühlung mit Polit- und Szenegrößen wie Merkel, Stoiber und Gottschalk bei fränkischen Bratwürsten in den Pausen.

FDP
Ausgelutschte Vitamin-B-Pille. Wer schnell hoch hinauswollte, konnte sich der Genscher-Truppe einst blindlings anvertrauen. Irgendein Posten war in der wendigen Dauer-Regierungspartei immer zu haben. Das brachte Einfluss und Connections. Heute ist das politische und personelle Kapital in der Opposition oder im außerparlamentarischen Nirwana weitgehend aufgezehrt, und die Herumkrebserei an der Fünf-Prozent-Hürde schreckt karrierebewusste Rechtsanwälte von einem Engagement zunehmend ab. Überhaupt sind Parteien als Marktplatz der Beziehungen immer weniger gefragt. Freidemokraten, Genossen, Unionisten und Bündnisgrüne schmoren zumeist im eigenen Saft. Wer etwas auf sich hält, gibt sich heute "überparteilich". Nur im lokalen Bereich mag der Stammtisch der ehemaligen Pünktchen-Partei, deren Kreise sich zuweilen mit Lions und Rotary überschneiden, noch eine gewisse Rolle spielen.

Jagdschein
Angegilbte Eintrittskarte in die bessere Gesellschaft. Als Beziehungs-Booster zur Anbahnung von Geschäftskontakten hat die Jagd nach dem Niedergang des rheinischen Kapitalismus an Bedeutung verloren. Manager der jüngeren Generation ziehen dem blutigen Waidwerk sportliche Aktivitäten wie den gemeinsamen Besuch im Fitness-Studio vor. Das kostet weniger Zeit, außerdem ist der Wellness-Effekt größer als beim stundenlangen Herumsitzen auf dem Hochstand mit anschließendem kalorienmächtigen "Schüsseltreiben". Nur in Land besitzenden Adelskreisen ist die Jagd noch unverzichtbarer Bestandteil gesellschaftlichen Miteinanders. Voraussetzung: Der Jagdschein, für den die Jägerprüfung abgelegt werden muss. Da lernt der angehende Waidmann nicht nur Zielen und Schießen, sondern auch, dass "Luder" nichts mit Naddel zu tun hat, sondern "ein totes Tier" darstellt, welches "zum Anlocken von Raubwild ausgelegt wird".

Männerclubs
Klassische angelsächsische Form des Net-Workings. Zu den elitärsten Einrichtungen dieser Art gehören der Münchner Herrenclub und der Hamburger Übersee-Club. In gediegenem Umfeld treffen sich hier Wirtschaftsmanager, Universitätsprofessoren, Freiberufler, Journalisten. Man speist zusammen oder lauscht einem Vortrag. Bisweilen chartert der Club auch mal ein Kreuzfahrtschiff, um gemeinsam in See zu stechen. Bei solchen Gelegenheiten dürfen auch Frauen mit dabei sein. Zur Mitgliedschaft wird aufgefordert, wer in den Augen des Clubs würdig, wichtig (und solvent) genug erscheint. Weniger exklusiv sind Serviceclubs wie Lions und Rotarier. Net-Working ist hier eher ein Nebenprodukt ihres karitativen Engagements. Reine Männerbünde sind beide Vereinigungen schon lange nicht mehr. Doch sind Frauen mit jeweils etwa sechs Prozent der deutschen Mitgliedschaft immer noch stark unterrepräsentiert.