internet Der stille Krieg der NetzpiratenSeite 2/2
Auf diese Weise sind regelrechte Schattennetzwerke auf einigen tausend gekaperten Computern entstanden. Das haben Sicherheitsexperten inzwischen nachgewiesen. Die verborgenen Netze bestehen aus jeweils 10000 bis 50000 gekaperten Computern, erklärt Dennis Zenkin, Sprecher des Antivirusexperten Kapersky Labs in Moskau.
Skrupellose Computerexperten nutzen sie unter anderem, um im Auftrag anderer Spam-E-Mails zu verschicken. Nach Angaben von Zenkin und anderen Virenjägern bringt es zwischen 5000 und 10000 Euro ein, eine Million unerwünschte Werbe-Mails zu verschicken. Die Computerbesitzer ahnen nicht einmal, dass ihre Rechner Teil dieser Pirateninfrastruktur sind. Ein weiterer Trick, um mit Viren Geld zu verdienen, ist das Aufsetzen gefälschter Webshops, von denen es derzeit rund 50 im Internet gibt. Wer auf Websites wie londonsoft.biz oder xml-soft.info in der Hoffnung auf Schnäppchenware seine Kreditkartennummern eingibt, ahnt nicht, dass er gar nicht mit einem Online-Shop kommuniziert, sondern mit einer Lockvogelseite. Die gestohlenen Kreditkartennummern werden weiterverkauft, zum Beispiel, um sie für internationale Telefonate zu nutzen. Auch diese Datenfallen laufen im Hintergrund infizierter Privat-PCs, ohne dass es die Eigentümer der Rechner merken.
Dass die Netsky-Programmierer gänzlich uneigennützig diesen Geschäften einen Riegel vorschieben wollen, glaubt kaum ein Sicherheitsexperte. „Es geht um viel Geld. Wir haben es hier auf allen Seiten mit einem kriminellen Hintergrund zu tun“, sagt der Moskauer Denis Zenkin.
Selbstjustiz über die Köpfe der Computerbesitzer hinweg will die Antivirus-Gemeinde nicht hinnehmen – oder gar die Virenautoren als Bundesgenossen akzeptieren. Erst recht nicht, seit man entdeckt hat, dass auch Netsky Hintertüren auf den Rechnern öffnet. In der vergangenen Woche nutzen dessen Urheber erstmals eine Flotte gekaperter Rechner, um einige Internetseiten mit einer Flut sinnloser Anfragen lahm zu legen. Doch das war erst ein Probelauf, glaubt Mikko Hyppönen: „Noch kann keiner mit Sicherheit sagen, was die Netsky-Programmierer wirklich mit den Rechnern anstellen wollen, die sie unter ihre Kontrolle gebracht haben.“ Sicher ist dagegen, dass das Schlafdefizit des F-Secure-Experten noch weiter anwachsen wird.
- Datum 22.04.2004 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 22.04.2004 Nr.18
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