die zeit: Viele Arbeitslose und Fehlinvestitionen, der Aufbau Ost gilt als gescheitert. Auch in ostdeutsche Universitäten sind Milliarden geflossen.

Sind diese ebenfalls wirkungslos verpufft?

Reinhard Hüttl: Im Gegenteil. Die Förderung der Wissenschaft gehört zu den wenigen Erfolgsgeschichten in Ostdeutschland. Universitäten und Fachhochschulen haben in den vergangenen zehn Jahren Erhebliches geleistet.

So stieg die Zahl der Studierenden stark, sie sind in der Regel sehr zufrieden mit dem Klima an ihren Hochschulen. Viele ostdeutsche Hochschulen haben auf die neuen internationalen Studienabschlüsse umgestellt und sind - gerade mit englischsprachigen Studiengängen und Doktorandenprogrammen - hoch attraktiv für ausländische Studenten. Cottbus zum Beispiel hat Studenten aus rund 80 Ländern.

zeit: Wie ist die Bilanz in der Forschung?

Hüttl: Auch hier ist die Wissenschaft in Ostdeutschland in vielen Bereichen gut vorangekommen. Im Förderranking der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) haben ostdeutsche Universitäten enorm aufgeholt - einige wie Dresden oder die Humboldt-Universität belegen heute in Teildisziplinen vordere Plätze. Gleiches gilt für viele außeruniversitäre Forschungseinrichtungen.

Das Institut für Troposphärenforschung in Leipzig etwa erregte weltweit Aufsehen mit Untersuchungen zur Schadstoffausbreitung in der Atmosphäre. Als der Wissenschaftsrat in den vergangenen Jahren die Leibniz-Gemeinschaft evaluierte, schnitten deren Institute im Osten zum Teil besser ab als jene im Westen.