energie spezial Rückkehr der „Nawaros“Seite 2/2

Vor allem gegenüber den umstrittenen Windmühlen haben Pflanzen, Gülle und Holz einen wichtigen Vorteil: Witterungsunabhängig kann aus ihnen Strom rund um die Uhr erzeugt werden. Deshalb stiegen bereits zahlreiche Stadtwerke auf die klimafreundliche Elektrizitätsversorgung um – bis der Markt von jährlich bis zu zehn Millionen Tonnen alter Bahnschwellen, Sperrholz, Altmöbeln und Rückständen aus der Papierproduktion leer gefegt war.

Den ganz großen Schwung erhofft sich die grüne Gemeinde indes von den nachwachsenden Rohstoffen. Dazu zählen nicht nur so genannte Resthölzer – Stämme und Äste, die von Frost, Ungeziefer oder Sturm geschädigt wurden. Es sind vor allem eigens angebaute Energiepflanzen wie Mais, Hanf, Schilf und Pappeln, die demnächst zu Treibstoff und Elektrizität verarbeitet werden sollen. Selbst Exkremente von Kühen und Schweinen eignen sich als Ausgangsstoff dafür. Dank großzügiger Förderung von 17,5 Cent pro Kilowattstunde reicht schon der Kuhbestand eines durchschnittlichen Hofes nebst 50 Hektar Acker für die Energiepflanzen, um kleine Biogasanlagen rentabel zu betreiben, sagt Biogas-Verbandschef Pellmeyer. Wer außerdem die bei der Stromproduktion entstehende Wärme nutzt, erhält einen Zusatzbonus von 2 Cent pro Kilowattstunde. Pellmeyer prophezeit den Bau von 400 solcher Anlagen schon in den nächsten Monaten. Mindestens 800 erwartet er im kommenden Jahr.

Am Ende könnte sich sogar Wirtschaftsminister Wolfgang Clement über die grüne Energie freuen – weil sie auch Arbeitsplätze in der Industrie schafft. Reinhard Maaß, Verbandschef von 128 Dampfkessel-, Behälter- und Rohrleitungsherstellern, zollte der Regierung deshalb bereits Lob. Zwar weiß auch Maaß, dass herkömmliche Elektrizität billiger ist als Strom aus Biomasse. Wer Energie indes klimaverträglich erzeugen wolle, so sein Credo, müsse auch bereit sein, deren Kosten zu tragen.

 
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