E nergiewende: Wachstum und Wohlstand ohne Erdöl und Uran – so lautete der Titel eines 1980 erschienenen Buches. Seine Botschaft war damals verblüffend: Die "Energieversorgung kann weitgehend auf erneuerbaren Energien basieren: Sonne, Wasser, Wind, Biomasse". Tatsächlich kam es in den neunziger Jahren zu einem Innovationsschub bei den erneuerbaren Energien und im Bereich der Energieeffizienz. Den eigentlichen Durchbruch dieser Technologien erleben wir aber heute. Allen Widerständen zum Trotz: Die Energiewende ist unumkehrbar geworden.

Ein Blick auf die anstehende Entwicklung im Kraftwerkspark der EU-Länder zeigt, was sich verändert hat: Die Stromversorger der 15 EU-Länder planen bis etwa 2010 nur ein einziges Kernkraftwerk, in Finnland. Die eigentliche Sensation ist aber, dass Kohlekraftwerke nicht einmal fünf Prozent der geplanten Anlagen ausmachen. Bei rund zwei Dritteln der Investitionsvorhaben handelt es sich um modernste Gaskraftwerke. Der Rest, die zweitgrößte Gruppe, besteht aus Anlagen auf der Basis von erneuerbaren Energien. Selbst das Kernenergieland Frankreich plant mindestens sieben Windparks und ebenso viele Gaskraftwerke.

Deutschland ist auf dem neuen Energiepfad neben Dänemark (Windenergie) und Japan (Fotovoltaik) gut positioniert. Mittlerweile werden sogar ganze Windenergieparks exportiert. Hohe Zuwachsraten verzeichnen die Deutschen auch beim energieeffizienten Bauen, beispielsweise bei Passivenergiehäusern. Deutschland ist – bisher – weltweit auch führend bei sparsamen Dieselmotoren. Der Kraftstoffverbrauch geht immerhin seit 1999 zurück.

Wo also liegt das Problem?

Das Problem einer nachhaltigen Energiepolitik sind weder Technologien noch Kosten – es sind strukturelle Hemmnisse: Deutschland ist der größte Braunkohleproduzent der Welt. Es ist auch ein Land, dessen hohe Steinkohlesubventionen international wiederholt beanstandet worden sind. Die Energiewende stößt hierzulande auf Interessenlagen, die ihr massiv entgegenstehen. Nicht aus bösem Willen, sondern weil die Dinge sich nun einmal so entwickelt haben – und für die parteiübergreifend vereinbarte Klimapolitik nun nicht folgenlos bleiben.

Die CO2-Emissionen des Kraftwerkssektors sind seit 1999 um 6,4 Prozent gestiegen und verschlechtern so die Gesamtbilanz. Grund dafür ist im Wesentlichen die steuerlich privilegierte Kohleverstromung. Der Allokationsplan zum Emissionshandel hat die Kohle wieder bevorteilt. Deshalb droht bei der anstehenden Erneuerung des Kraftwerksparks bis 2020 die Gefahr, dass Strukturen festgeschrieben werden, die nicht klimaverträglich sind. Und die sich obendrein auch ökonomisch nicht durchhalten lassen, wenn sich, wie absehbar, die extremen Wetterlagen häufen.

Die zweite Schlacht um die Energiewende wird an der Effizienzfront geschlagen: Seit 1993 hat der Stromverbrauch ständig zugenommen, sogar während der ökonomischen Flaute der vergangenen Jahre. Nur effizienteste Elektrogeräte können diesen Trend stoppen – und bewirken, dass erneuerbare Energien mehr sind als eine weitere Quelle für zusätzlichen Stromverbrauch.

Dafür zu sorgen, dass weniger Energie verbraucht wird, ist eine größere politische Herausforderung, als das Wachstum der erneuerbaren Energien zu fördern. Tatsächlich hat die Energiewende aber auch hier eingesetzt: Gemeint sind weniger die eher zögerlichen neuen Ansätze der EU-Kommission zur Effizienzsteigerung im Energieverbrauch – viel interessanter ist das "Top Runner"-Programm des japanischen Wirtschaftsministeriums. Es schreibt den Energieverbrauch von mittlerweile rund 20 energieintensiven Produkten auf dem marktüblichen besten Stand (Top Runner) fest. Anbieter, die diesen Effizienzstandard im festgelegten Zieljahr nicht erreichen, werden erst öffentlich ermahnt, später gegebenenfalls aber auch bestraft. Bemerkenswert ist, dass Importprodukte in diese Regulierung eingeschlossen werden. Mit dieser rigorosen Politik sollen beispielsweise bei Videorekordern Energieeinsparungen von 59 Prozent, bei Klimaanlagen von 63 und bei Computern von 83 Prozent erreicht werden.