Fahrschule als Märchenstunde. Ulrich Pfeiffer ist auf das Wissen deutscher Fahrlehrer gar nicht gut zu sprechen: "Neunzig Prozent von ihnen verbreiten veraltete Regeln." Und deswegen verbrauchen Millionen von Autofahrern unnötig viel Sprit.

Da gibt es zum Beispiel diese Legende: Dass die Motoren im mittleren Drehzahlbereich am wenigsten Benzin verbrauchen. "Völliger Quatsch", erregt sich Pfeiffer, "das stimmt schon lange nicht mehr." Der technische Fortschritt hat’s bewirkt; der Umstieg vom Vergaser auf den Einspritzer. Auszurotten ist die Uraltmeinung trotzdem nicht. Sie sitzt, wie in Stein gemeißelt, tief im Hirn unzähliger Autofahrer und wird munter weitergereicht. Richtig hingegen ist, dass die heutigen Motoren bei niedriger Drehzahl am effizientesten laufen – eine große Aufgabe also für einen Aufklärer.

Ein Frühjahrsmorgen kurz nach neun Uhr auf dem Gelände des Freiburger Energieversorgers Badenova: Neun Mitarbeiter des Unternehmens, allesamt berufliche Vielfahrer, machen sich startklar für eine Testfahrt – ein wenig durch die Stadt, ein wenig über Land. Sie sollen einfach nur fahren, ganz normal. Wenn sie zurück sind, wird Ulrich Pfeiffer abrechnen.

Noch ehe die Probanden den Motor anlassen, kennt Pfeiffer längst das Ergebnis: Auch diesmal werden seine "Fahrschüler" 20 Prozent mehr Sprit verbrauchen als nötig. Denn der Mittfünfziger hat – mit stets ähnlichem Ergebnis – schon Tausende geschult. Warum also sollte es heute anders werden? Die Mietwagen, mit Bordcomputer versehen, passieren den Pförtner und entschwinden im Straßenverkehr.

Pfeiffers Firma heißt Eco-Consult. Sie hat ihren Sitz in Plankstadt bei Heidelberg und veranstaltet Kurse in allen Teilen der Republik. Manchmal muss sich der Geschäftsführer selbst wundern, dass es gerade Autofahrer sind, die er heute schult. Er, der in Heidelberg viele Jahre ohne Auto lebte; der einst gegen die geplante Daimler-Teststrecke in Boxberg kämpfte. Er, der grün denkt und in der Freizeit lieber Geige spielt als am Auto bosselt. Lange Jahre verdiente er sein Geld mit kommunalen Energiekonzepten und Solartechnik – doch dann kam ihm, weil hier die Defizite so riesig sind, die Idee mit dem Spritsparen. "Durch einen Daimler-Ingenieur", sagt er. Das war 1998.

Wer sparsam fährt, baut weniger Unfälle

Die Firma Eco-Consult gründete er zusammen mit der Sozialwissenschaftlerin Anita Löffler. Ein passendes Team. Die Enddreißigerin ist, wie sie selbst sagt, "auf das Thema Verhaltensänderungen spezialisiert" und kommt "aus einem Elternhaus, wo Rallye gefahren wurde". Da konnte sie oft genug das krasse Gegenteil vom sparsamen Fahren erleben. Das prägt.

Nach 20 Minuten treffen die Fahrer der Badenova wieder ein. Bordcomputer werden ausgelesen – und weiter geht’s im Schulungsraum. "Sie müssen früher hochschalten", sagt Pfeiffer. Er sagt es immer als Erstes. Denn man könne es nicht oft genug sagen, findet er. Heutige Motoren erreichten bereits bei 1750 Umdrehungen ihr maximales Drehmoment – "und kaputt kriegen Sie die ohnehin nicht mehr". Das heißt konkret: Tempo 50 im fünften Gang fahren. Wer noch im dritten fährt, braucht doppelt so viel Sprit, egal, ob mit Benziner oder Diesel.