In der Halle der Firma Senertec im Schweinfurter Industriegebiet geht es eher gemächlich zu. Schwere gusseiserne Motorteile, ein schwarzer, robuster Generator-Block und eine Reihe von Kabeln und Leitungen werden dort auf eine stählerne Karosserie geschraubt. "Hochzeit" heißt diese erstmalige Verbindung von Motor und Chassis in der Automobilbranche. In Schweinfurt sind die Stückzahlen jedoch niedriger als in der Fahrzeugindustrie: Nicht Millionen von Viertaktmotoren verlassen die Halle jedes Jahr, sondern 2000.

Gleichwohl ist der "Dachs", der in der Schweinfurter Halle entsteht, Marktführer. Hinter dem pfiffigen Namen verbirgt sich ein kleines Blockheizkraftwerk (BHKW) auf der Basis eines Einzylinder-Ottomotors. Es treibt mit seinem Motor nicht nur einen Stromgenerator an; die Abwärme des Apparates wird zugleich zum Heizen von Häusern und Betrieben genutzt. Kraft-Wärme-Kopplung, kurz KWK, nennen Fachleute diese verlustarme Art der Energiewandlung. Den besonders kleinen Exemplaren solcher KWK-Systeme, deren elektrische Leistung zehn Pferdestärken oft nicht übersteigt, verpassen sie das Attribut "Mikro".

Ob Brennstoffzelle, Stirling-, Otto- oder Dampfmotor – das Zeug zum Mikrokraftwerk haben viele Technologien. Und das Zeug dazu, die Umwelt zu schonen. Die simultane Nutzung von Strom und Wärme vermeidet gegenüber der getrennten Erzeugung in modernen Gaskraftwerken und Heizkesseln bis zu 30 Prozent der klimaschädlichen Kohlendioxid-Emissionen. Weiterer Vorteil: Ein Totalausfall des Stromnetzes à la USA, London oder Italien wäre mit solchen Kleinkraftwerken kaum möglich. Geben einige ihren Geist auf, produzieren die vielen anderen immer noch ausreichend Elektrizität. Hunderte von Heizungskellern werden so zu kleinen Energiezentralen.

Marktanalysen wie die europäische MicroMap-Studie sehen in der Kleinst-KWK denn auch ein gewaltiges Potenzial für die klimaverträgliche Energieversorgung. Bis zu zwölf Millionen Anlagen prognostiziert MicroMap für das Europa des Jahres 2020 – sofern sich die Rahmenbedingungen vorteilhaft entwickeln. Das käme für Deutschland gerade recht, denn in den nächsten zwei Dekaden müssen 40000 Megawatt veralteter Kraftwerksleistung ersetzt werden.

Immer mehr deutsche Firmen, auch branchenfremde Unternehmen, entdecken die Chancen der Mikrokraftwerke. Der schwäbische Strickmaschinen-Hersteller Mayer&Cie. beispielsweise nutzt seine Erfahrung im Bau von Präzisionsapparaten und entwickelt einen Stirling-Motor. Die junge Berliner Firma Enginion erforscht eine moderne Variante des Dampfmotors. Und die großen Heizungskesselbauer Vaillant, Buderus und Viessmann setzen auch auf Brennstoffzellen-Heizgeräte.

Noch liegen die ehrgeizigen Ziele freilich in weiter Ferne. Knapp 9000 Mikrokraftwerke der Marke Senertec stehen in der Republik verteilt. Die Leute bei Senertec kennen ihre Kunden zu einem großen Teil persönlich. Der Fernsehmoderator Jean Pütz zählt zu den prominenten Betreibern eines Kleinstkraftwerks, und auch die Hamburger Greenpeace-Aktivisten trocknen ihre Schlauchboote mit dem kleinen Gerät aus Schweinfurt. Ein neuer Fanclub führt die begeisterten privaten Kraftwerksbetreiber zusammen und verschafft ihnen sogar Rabatte bei gleich gesinnten Winzern oder Hoteliers: Solidarität wie bei der alten 2-CV-Ente, nur dass der Motor im Keller ruht und nicht über die Straße rollt.

"Unser Dachs soll ein emotionales Produkt mit einer Story sein", sagt der Senertec-Geschäftsführer Karl P. Kiessling. Deshalb lehnt er auch das sperrige Wort Kraft-Wärme-Kopplung ab und spricht von doppelter Energienutzung. Mit ihrer Produktphilosophie hatte es die Firma bis in den Katalog des eleganten Versandhauses Manufactum geschafft. "Aus Sympathie für echte Synergie" biete Manufactum das Gerät an, das eine gelungene Allianz aus Wertbeständigkeit und Fortschritt verkörpere, heißt es im Katalog.

Während Senertec, eine Ausgründung des Automobilzulieferers Fichtel und Sachs, auf vergleichsweise konsolidiertem Marktkurs ist, kämpfen manche Konkurrenten noch mit den Schwierigkeiten der Markteinführung. Das schwäbische Unternehmen Solo Kleinmotoren beispielsweise ist zwar als innovative Firma bekannt; die Gründer Hans und Heinz Emmerich entwickelten die erste motorbetriebene Kettensäge und verkauften mit der Solex ein legendäres Mofa. Doch das Kleinkraftwerk aus dem Hause Solo mit dem wenig einprägsamen Namen V161 konnte erst 30-mal abgesetzt werden.