Der 17. Juli 2003 war ein guter Tag für die Zeitlers. Und es war ein guter Tag für den Klimaschutz, denn Vater Josef erhielt die Patentnummer für seinen Motor. Der 20. Juli dagegen war ein schlimmer Tag für die Familie. Dass es ein Trauertag für die Umwelt sein könnte, daran dachte indes noch niemand, als Josef Zeitler, 43-jährig, bei einem Motorradunfall starb. Zeitler, Kfz-Meister und Naturmensch, PS-Fan mit ökologischer Mission; im heimischen Speinshart organisierte er Mofarennen.

"Es fehlte nur der letzte Kick zur Serienreife", sagt die Witwe. Heute, bald ein Jahr später, stützt Elisabeth Zeitler den Kopf auf ihre Hände. "Alles wär grad losgegangen", sagt sie. Dann das Überholmanöver auf einer oberpfälzischen Straße, das Josef Zeitler sein Leben kostete – und die Revolution der Zweitakttechnik, die Realisierung eines Traumes stoppte: Es ging um den ersten Wasserstoffroller in Serie.

Das Fahrzeug, das die Zweiradwelt verändern sollte, steht noch immer in der Werkstatt hinterm Haus. High Tech trifft Heimatkunde: Die Wagnerei des Großvaters erinnert an vergangene Zeiten, als noch im offenen Feuer geschweißt wurde – der Roller namens "H2 Speed Fight" steht für die Zukunft. 50 Kubikzentimeter wassergekühlter Hubraum, lange Sitzbank, knallrote Verschalung. Auf den ersten Blick deutet nichts auf den innovativen Kern.

Willi Zeitler, Josefs Vater, lenkt den zweiten Blick auf einen Kasten unterm Trittbrett. "Das Plus", erklärt der gelernte Schmied, "ein spezieller Hydridtank mit einer Metalllegierung, die den Wasserstoff wie ein Schwamm aufsaugt." Die Wand des Wasserstoffspeichers, vom Nürnberger Metallurgieunternehmen GfE entwickelt, misst nur zwei Millimeter, schirmt das explosive Gemisch gleichwohl von der Außenwelt ab. Mit 2,6 Kubikmetern aus der Gasflasche geht es 100 Kilometer weit – und zwar fast emissionsfrei. "Wenn der Tank ein Leck hat", sagt Willi Zeitler und greift mit rauen Fingern zur Direkteinspritzung, "gefriert alles sofort." Gefahr gebannt.

Hier, hinterm Anbau des Speinsharter Klosters, schwärmt der 67-Jährige von den Arbeiten seines Sohnes. An einigen bastelte er mit, etwa am ersten Wasserstoffmofa. Enkel Alex kramt die umgebaute Kreidler aus einer Werkstattecke. "Das ist noch richtig ölig", sagt Willi Zeitler lächelnd. Der strömende Regen stört ihn nicht, als er die Eingeweide vorstellt, offen liegende Schläuche, viel Klebeband, alles noch halb gar.

Ganz anders der Speed Fight. Neuartige Karbonkolben eines benachbarten Maschinenbauers minimieren den Ölbedarf, eine Trennmembran aus Josef Zeitlers Ideenfabrik hält Schmieröl vom Verbrennungsraum fern. Ist der Wasserstofftank das Herzstück von Josef Zeitlers Erfindung, gleicht das Trennsystem der Niere. Ein großer Schritt nach vorn. Im Entwicklungsstadium zwar, "handgeschnitzt", wie Andreas Otto vom GfE-Nachfolger Hera sagt; aber mit Potenzial. Ein umweltverträglicher Motor, interessant für Südostasien, wo Millionen Zweitakter die Luft verpesten. Hermann Scheer, Träger des Alternativen Nobelpreises, sparte ebenso wenig mit lobenden Worten für das Gesamtwerk wie der Deutsche Wasserstoffverband. This Scooter’s no Polluter, schrieb sogar das Time Magazine über die Erfindung aus der Provinz.

In China könnte der Speed Fight ein Renner werden

Irgendwie galt Letzteres auch für Josef Zeitler selbst. "Mein Mann war durch und durch öko", sagt seine Frau. Ein Autodidakt, ganzheitlich denkend. In seinen Visionen war der Roller nur ein Mosaikstein. Den Kraftstoff für den Speed Fight sollte ein ebenso innovatives Energiehaus ausbrüten, das sich mit Wasser, Sonne und Biomasse autark versorgt – und nebenbei den Wasserstoff für den Flitzer erzeugt.