Liebe Freunde, wie konnte das passieren? Zum ersten Mal hat der neue Opel Astra im Vergleichstest von auto motor sport einen VW Golf besiegt. Trauer in Wolfsburg, Jubel in Rüsselsheim. "Wir haben verstanden!" Die Sonne steht Kopf, und der Mond ist aus dem siebten Häuschen. In der Fußgängerzone fallen sich wildfremde Menschen in die Arme und tanzen auf den Waschbetonelementen. Lidls bester Äppelwoi fließt in Strömen. Opels Chefentwickler lässt die Hosenträger schnacken und gibt noch ’ne Runde. Der hessische Opel-Fan Manfred M. aus 63549 Hüttengesäß tritt aufs Gas und schreibt einen Leserbrief. "Der Golf wirkt im Innenraum billig. Sein Dieselmotor ist laut. Meine Erna hat in der Breite nicht genug Platz. Aldi-Tüten sind im Golf nicht kippsicher. Das Auto wirkt traurig." Hat der Mann nicht Recht? Betrachten wir einmal das Frontdesign des neuen Golf. Es ist stimmig, wie immer. Der Spoiler verstrahlt Optimismus, wie immer. Und doch – spüren Sie den Hauch spät gereifter Bitternis, die seine aufgesetzte Fröhlichkeit wehmütig umspielt? Nun gehen Sie einen Schritt vor. Richtig, Sie sehen das ungetrübte Spiel fröhlicher Wolken im glänzenden Lack. Aber sehen Sie auch das Schimmern der Schwermut in der Tiefe des Blechs? Das Sepia der Melancholie, während im Kofferraum die Aldi-Tüte umfällt? Spüren Sie bei Leerlaufdrehzahl das Zittern vor dem Renault Mégane ("Schöner als Golf") und den fünf Sternen des Astra? Genau, um solche Fragen dreht sich die Kurbelwelle des Lebens. Um sie zu beantworten, brauchen wir keine Techniker. Dafür brauchen wir Geisteswissenschaftler, am besten Philosophen. Nur Philosophen sind zum Schauen geboren und zum Denken bestellt. Schon auf den ersten Blick erkennen sie, warum der melancholische Golf seine Erwartungen nur unvollkommen erfüllt: Er ist vollkommen, perfekt im Grad seiner platonischen Reife. Vollendet in den Proportionen und solide wie früher ein Mercedes. Der neue Golf materialisiert seine Idee, oder wie ein Philosoph sagen würden: Sein Wesen ist ganz Erscheinung. Stumm spiegelt die Sicke im Blechkleid die Trauer der Vollendung. Nichts anderes hat Manfred M. aus Hüttengesäß uns sagen wollen – das Auto ist mit sich identisch geworden, die reine Sichselbstgleichheit. Der neue Golf sieht aus wie der alte. "Er kann seinem Schicksale nicht entgehen", hätte der Philosoph Hegel dazu gesagt. Aber Hegel kennt man in Golfsburg nicht. Hegel ist altes Eisen und erinnert den Herrn Ingenieur an ein italienisches Auto: Das rostet schon im Prospekt. Nun, darauf ein Astra. Was dagegen? Finis