Herausforderung Schuldenkrise" - so könnte man die Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank nächste Wochte betiteln. Denn wieder mal steht das Problem der hohen Auslandsverschuldung der ärmsten Länder der Erde auf der Agenda. Deren Verbindlichkeiten werden seit den Fünfzigern in regelmäßigen Abständen umgeschuldet oder erlassen. Doch nie ist es gelungen, den Teufelskreis von Zahlungsunfähigkeit, Um- und Entschuldung, erneuter Kreditaufnahme und erneuter Zahlungsunfähigkeit zu durchbrechen.

Auch 1999 nicht. Damals beschlossen die Industriemächte auf dem Kölner Weltwirtschaftsgipfel die erweiterte HIPC(Heavily Indebted Poor Countries)-Initiative: ein umfassendes Entschuldungsprogramm für die Ärmsten der Welt. Fünf Jahre später stehen Länder wie Bolivien, Nicaragua, Uganda oder Burkina Faso immer noch oder wieder am Rande der Zahlungsunfähigkeit.

Ist Schuldenerlass also überhaupt sinnlos? Dient er nur dazu, das Gewissen der Industrieländer zu beruhigen? Oder hat die HIPC-Initiative die Situation vielleicht doch verbessert?

Tatsache ist: Die Initiative hat die Schuldenlast reduziert. Die Verbindlichkeiten der 27 Länder, die bisher am HIPC-Verfahren teilgenommen haben, werden in den kommenden Jahren um circa zwei Drittel sinken. Daran haben insbesondere die Deutschen ihren Anteil: Mit mehr als fünf Milliarden Euro trägt die Bundesregierung einen erheblichen Beitrag zu den gesamten Kosten der Initiative von etwa 50 Milliarden Dollar.

Im Rahmen der HIPC-Initiative wird Schuldenerleichterung an wirtschaftliche und politische Reformen geknüpft. Das jeweilige Land muss die durch die Schuldenerleichterung eingesparten Mittel für Armutsbekämpfung verwenden, etwa für Gesundheitsversorgung oder Bildung. Das zeigt Wirkung: Laut Schätzungen der Weltbank und des IWF sind die Ausgaben für armutsreduzierende Maßnahmen in den betreffenden Ländern in den vergangenen vier Jahren um rund 50 Prozent gestiegen.

Trotz dieser Erfolge geraten viele Länder immer wieder aufs Neue in die Schuldenfalle. Wie ist das möglich?

Ein Grund sind falsche Wirtschaftspolitik und Korruption. Viele Regierungschefs der Dritten Welt denken immer noch als Erstes daran, wie sie mit neuen Krediten ihre Paläste und Armeen vergrößern können. Bisweilen liegt die Schuld aber auch bei den Gläubigern. Manche vergeben leichtsinnig immer neue Kredite. Gleichzeitig schotten die meisten Industrieländer ihre Märkte gegen die günstigen Produkte aus Entwicklungsländern ab. Oder sie verderben mit ihren Subventionen die Preise. Ein klassisches Beispiel dafür ist Burkina Faso. Das westafrikanische Land exportiert vor allem ein Produkt: Baumwolle. Auch wegen der hoch subventionierten Produktion in den USA aber verfiel in den vergangenen Jahren der Weltmarktpreis für Baumwolle - und damit auch der Exporterlös. Weshalb Burkina Faso trotz Schuldenerlass große Schwierigkeiten hat, seine Verbindlichkeiten zu begleichen.