Das Kölner Massenblatt Express machte seine Leser mit den bekannt großen Lettern mobil. "Staatliches Finanzpräsent für alle Familien", lockte die Schlagzeile Ende vergangenen Jahres. "Noch bis Ende Dezember können neue Verträge abgeschlossen werden." Über fünf Spalten durfte ein örtlicher Finanzvermittler für eine "wenig bekannte Familienförderung" trommeln – die Geldanlage bei jungen Wohnungsbaugenossenschaften.

Sensationelle 12,5 Prozent Rendite stellte der Vertreter der Express- Leserschaft in Aussicht. Allerdings sei Eile geboten, weshalb gleich noch seine Telefonnummer dazu veröffentlicht wurde: Zum Jahreswechsel wolle Bundesfinanzminister Hans Eichel "erbarmungslos" streichen.

Reißerische Verkaufsaktivitäten wie diese waren in den vergangenen Jahren typisch für Akteure des grauen Finanzmarktes, die eine Gesetzeslücke ausgenutzt und Wohnungsbaugenossenschaften gegründet haben – derzeit etwa 70 bis 80 an der Zahl. Ins Visier nahmen die Initiatoren insbesondere einkommensschwache Familien mit mehreren Kindern, für die ein Eigenheim mangels Eigenkapital kaum infrage kommt. "Eigenheimzulage ohne Eigenheim" lautete der werbewirksame Schlachtruf. Gerade wegen der staatlichen Förderung wirkten die Angebote für die umworbene Kundschaft durchaus vertrauenswürdig. Zudem genießen Baugenossenschaften mit ihrer über 100-jährigen Tradition und ihrem großen Wohnungsbestand in Deutschland einen guten Ruf.

Niedrigverdiener ließen sich verführen

Das Ganze klang tatsächlich gerade für kinderreiche Niedrigverdiener äußerst verführerisch: Anteile an seit dem 1. Januar 1995 gegründeten Baugenossenschaften fördert Vater Staat mit einer Grund- und Kinderzulage, und zwar acht Jahre lang. Der Kunde muss sich dafür mit mindestens 5000 Euro beteiligen. Als Zulage erhält er dann drei Prozent der Einlage, also mindestens 150 Euro (und maximal 1200 Euro), sowie pro Kind 250 Euro jährlich vom Finanzamt. Begrenzt wird der Zuschuss außerdem durch die Höhe der Einlage. Höher als die kann auch die Zulage nicht sein.

Statt aber so – wie vom Gesetzgeber eigentlich beabsichtigt – die Neugründungen von "echten" Genossenschaften anzuregen, für die eine Selbstversorgung ihrer Genossen mit eigenem Wohnraum im Vordergrund steht, wurde diese spezielle Förderung zum Topthema von Drückerkolonnen, die auf schnelle eigene Gewinne aus waren.

"Von den Risiken dieser unternehmerischen Beteiligung bis hin zum Totalverlust erfuhren die Kunden leider fast nie", beklagen Verbraucherschützer wie Geldexperte Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen schon seit mehreren Jahren. Meist wurde verdrängt, dass gerade nicht die bereits etablierten, über Jahrzehnte erfolgreich wirtschaftenden Baugenossenschaften gefördert wurden, sondern ausschließlich Neugründungen.

Wie spekulativ dieses Investment war, könnten auch bald jene Jäger der Genossenschaftszulagen merken, die sich in der Jahresschlusspanik 2003 noch zur Mitgliedschaft überreden ließen. Denn der Gesetzgeber hat zu Jahresbeginn 2004 die Förderung von Baugenossenschaftseinlagen, die nur als Kapitalanlage dienen, gestoppt. Zwar hat sich seit Jahresbeginn an der grundsätzlichen Förderung trotz des jüngsten Subventionsabbaus nur geringfügig etwas verändert. Wie bei der regulären Eigenheimzulage gelten lediglich geringere Einkommensgrenzen, doch dürfte sich das bei der anvisierten Kundschaft kaum auswirken. Die für die Rendite entscheidende Kinderzulage blieb mit 250 gegenüber 256 Euro fast ungeschmälert erhalten. Doch seit Jahresanfang kann die Förderung nur noch beansprucht werden, "wenn spätestens im letzten Jahr des Förderzeitraums mit der Nutzung einer Genossenschaftswohnung zu eigenen Wohnzwecken begonnen wird", so das Bundesbauministerium.