Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg im April überraschend von 95,4 auf 96,3 Punkte. Viele Experten hatten nach den Rückgängen im Februar und März eine Eintrübung befürchtet. "Die neuen Umfrageergebnisse lassen auf eine weitere, wenn auch moderate, Konjunkturerholung schließen", sagte Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung. Das heißt nicht, dass der Aufschwung in Deutschland gesichert ist.Getragen wurde die Verbesserung allein von günstigeren Einschätzungen zur gegenwärtigen Geschäftslage der Unternehmen. Der entsprechende Index stieg von 92,2 auf 94,9 Punkte - so gut wie seit drei Jahren nicht mehr. Dagegen trübten sich die Erwartungen für die nächsten sechs Monate weiter ein: Der Unterindex für die Geschäftserwartungen ist von 98,8 Punkten im März leicht auf 97,8 Punkte gefallen. Ähnlich wie der Rückgang des Konjunkturbarometers des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in der vergangenen Woche (um fast acht Punkte auf 49,7) würden die ifo-Zahlen zur Geschäftserwartung zeigen, dass die Unternehmen die künftige wirtschaftliche Entwicklung Ende letzten Jahres zu optimistisch eingeschätzt haben, kommentieren die Experten der Citygroup.Insgesamt seien die unerwartet starken Zuwächse im Bereich Einzelhandel für den überraschend guten Geschäftsklimaindex im April verantwortlich gewesen. Der Anstieg von minus 31,8 auf minus 21,8 Punkte sei die treibende Kraft für den Gesamtindex gewesen, hieß es weiter in der Analyse der Citygroup. Der Zuwachs im Bereich Einzelhandel zeige nicht zuletzt das Ende des Abwärtstrends in der Sparte und eine Verbesserung der deutschen Binnennachfrage.Der starke Ölpreisanstieg soll die Geschäftsaussichten der Unternehmen für die kommenden sechs Monate gedrückt haben. "Wir wissen aus Erfahrung, dass sich das negativ auf die Erwartungen auswirkt", sagte ifo-Chefvolkswirt Gernot Nerb. Der schwächere Euro habe den Exportaussichten der Industrie zwar Auftrieb verliehen, "das hat aber für eine Verbesserung der Geschäftserwartungen in der Industrie insgesamt nicht ausgereicht."Bis auf das krisengeschüttelte Baugewerbe erlebten im April alle Branchen eine Verbesserung des Geschäftsklimas. Die Stimmungsbelebung fiel dabei in Ost- und Westdeutschland etwa gleich stark aus.Für den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) ist noch für dieses Jahr eine Finanzspritze von zehn Milliarden Euro zur Förderung privater und öffentlicher Investitionen notwendig. "Die Regierung muss umgehend Geld in die Hand nehmen", sagte heute DGB-Vorstandsmitglied Heinz Putzhammer in Berlin. Es sei falsch, in der Krise weiter zu sparen. Deutschland drohe, konjunkturpolitisch abgehängt zu werden.Ohne einen kräftigen Schub im Kampf gegen die Massenarbeitslosigkeit lässt sich nach Ansicht auch von kritischen Wirtschaftswissenschaftlern die Konjunktur nicht dauerhaft ankurbeln. "Die große Achilles-Ferse für das Wirtschaftswachstum ist der private Konsum", sagte der Bremer Wissenschaftler Rudolf Hickel bei der Vorstellung des Gutachtens der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik in Berlin. "Wir müssen Wirtschaftswachstum inszenieren", sagte Hickel. "Angstsparen" müsse verhindert werden.