Sie sind 24 Jahre alt und unter dem Namen O.S.T.R. in Polen ein Star. Wie lebt es sich als Rapper in Lodz-Baluty?

Weniger glamourös, als sich die meisten das vorstellen: Ich habe einen Mercedes mit Chauffeur, aber der Chauffeur ist ein Kumpel, und das Auto ist klapprig. Meine Videos laufen auf MTV Polska, aber trotzdem wohne ich mit meiner Mutter zusammen in einer Plattenbau-Schachtel. Ich komme aus dem ärmsten Viertel von Lodz. Hier gibt es 20 Prozent Arbeitslose, keiner hat Geld, die Schulkinder saufen und nehmen Drogen. Doch selbst wenn ich das Geld hätte, um wegzuziehen, würde ich hier bleiben. Denn ich gehöre in dieses Viertel. Und ich bin stolz darauf, für die Kids in meiner Nachbarschaft ein Vorbild zu sein.

Das klingt nach dem Ghetto-Gefühl von amerikanischem Rap. Gibt es überhaupt eine besondere polnische Art von HipHop?

Man ist hier gar nicht so furchtbar auf Amerika fixiert, schließlich kennt das Publikum die US-Rapgeschichte nicht besonders. Wir wollen über unsere eigenen Probleme rappen, nicht über Sachen, die uns nichts angehen. Wenn du für die Leute hier HipHop machst, kannst du ihnen nicht mit Rolex-Uhren und dicken Schlitten kommen. In der ganzen Stadt gibt es kein Geschäft, wo du eine Rolex kaufen könntest! Amerikaner träumen von Ferraris. In Polen kann man sich einen Ferrari gar nicht vorstellen, man träumt hier einfach von Glück, Freundschaft. Und allenfalls von einem Mittelklassewagen.

Ist die polnische Rapszene näher dran an den wahren Werten des Rap?

Ja, woanders, da ist Ausverkauf, aber wir sind sztuka , Kunst! Polen ist auf einem Stand, auf dem HipHop in Deutschland vielleicht in den achtziger Jahren war. Die Szene ist noch nicht kommerziell interessant für die großen Platten- und Produktionsfirmen. Das hat Nachteile: Es gibt wenig Geld für Equipment und aufwändige Produktionen. Vinylplattenläden sind relativ selten, es ist manchmal ungeheur mühsam, Rohmaterial für Samples zu bekommen. Der Vorteil ist: Man wird hier nur durch Talent erfolgreich. Handwerk, Rhythmus, Sprachfertigkeit, Kreativität zählen und nicht irgendwelche Marketingtricks. Allein in Lodz gibt es unzählige Rapper, DJs und Graffiti-Künstler, in Warschau gibt es auch eine große Szene. Man kennt sich, beobachtet sich freundlich, aber kritisch. Die Anerkennung eines bekannten Kollegen gilt mehr als eine halbe Million verkaufter Platten.

Der klassische HipHop-Dresscode scheint in Polen der gleiche zu sein wie überall: weite Hosen und Sweatshirts, Turnschuhe. Die Kangol-Mütze, die Sie tragen, wäre aber woanders schon ziemlich out.