Seit Jahren müht sich Deutschland um den Ausstieg aus der Steinkohle, plötzlich erschüttert ein Rohstoff-Boom die Planung. Gerade wird wieder über die Subventionen verhandelt, die den Kumpels der RAG (ehemals Ruhrkohle) den Abschied erträglich machen sollen, da steigen die Preise. Koks etwa, ein Kohleprodukt, das zur Stahlerzeugung gebraucht wird, war vor zwei Jahren für 70 Dollar die Tonne zu haben. Heute berichtet Wolfgang Ritschel, Geschäftsführer des Vereins der Kohlenimporteure, von Preisen bis zu "400 Dollar pro Tonne Koks und auf den Spotmärkten gar 500 Dollar - dieses Niveau hat es noch nie gegeben". Der Hauptgrund ist das Wachstum in China: Die Volksrepublik - früher billiger Massenexporteur von Koks - verbraucht heute alles selbst.

Wird die gute alte Ruhrkohle jetzt neue Wertschätzung erfahren? Ist der Arbeitsplatzabbau jetzt passé im Revier? "Das wäre schön, hat mit der Realität aber nichts zu tun", bedauert RAG-Sprecherin Barbara Müller. Die Kapazitätsverringerung sei fester Bestandteil der Subventionsvereinbarungen.

Außerdem würde es Jahre dauern, eine neue Zeche aufzumachen. Ähnlich bei Kokereien. Nur eine hat die RAG heute noch in Betrieb: Prosper in Bottrop.

Eine zweite in Duisburg - erst Ende 1992 eröffnet - wird gerade demontiert und verschifft. Das als besonders umweltfreundlich geltende Werk soll demnächst in China Dienst tun.