Kunstfrühling am Rhein: Vom 20. bis 26. April sind unter dem Dach der Rheinhallen in Köln gleich vier Messen zu Gast – von Antiquitäten (35. Westdeutsche Kunst Messe) über zeitgenössische Kunst ab 1980, Fotografie, Art Brut, Editionen (KunstKöln), antiquarische Bücher und Grafik (Antiquariatsmesse) bis hin zur erstmals stattfindenden exponatec, der Fachmesse für Technik, Ausstattung und Dienstleistung. Alle vier bieten anspruchsvolle Sonderschauen. Und ein bisschen Show hat der neue Messedirektor Gérard W. Goodrow auch vorgesehen: Als Museumswärter und Kunstdiebe verkleidet, streifen Angestellte der Messe durch die Gänge und machen die Besucher auf Künstlergespräche, Vorträge und Diskussionen der etwa 300 Aussteller aufmerksam.

Geht es nach Wunsch der Veranstalter, sollen die vier so unterschiedlichen Messen mit Objekten aus vier Jahrtausenden nicht unabhängig voneinander stattfinden, sondern sich zu einem möglichst inspirierenden Gesamterlebnis verzahnen. Dabei wirkt die außereuropäische Kunst als eines der Bindeglieder.

Die Aussteller Exler aus Aachen und Dierking aus Köln, die bisher auf der Westdeutschen Kunstmesse ausstellten, sind hier mit Aborigine- und afrikanischer Stammeskunst im Erdgeschoss nahe der Art Brut vertreten, während im Zentrum der Antiquitäten die Meisterwerke afrikanischer Kunst aus sieben Kölner Privatsammlungen präsentiert werden. Werner Schmalenbach, Afrika-Experte und Gründungsdirektor der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, hat diese Sammlungen wie auch den Katalog kuratorisch betreut.

Kontemplativer Ruhepol im Messegeschehen der KunstKöln ist die Kollektion von etwa 50 Arbeiten auf Papier von dem amerikanischen Meister der Shaped Canvases, Ellsworth Kelly – gesammelt von dem Berliner Architekten Stephan Braunfels und zu betrachten am "Edition-Point".

Um diesen Punkt gruppieren sich zum ersten Mal die Stände internationaler Kunstverleger, darunter drei aus New York. Two Palms Press bietet Einblicke in die Arbeiten des Konzeptkünstlers Sol LeWitt, Jahrgang 1928, und zeigt Werke der eine Generation jüngeren Porträtistin Elisabeth Peyton. Parasol reist mit Grafiken der amerikanischen Maler Robert Mangold und Robert Ryman an, inklusive der selbst verlegten Œvre-Kataloge. Sehenswert auch die Auflagenwerke von Raymond Pettibon bei Brooke Alexander sowie Arbeiten auf Papier von drei Künstlerinnen unterschiedlichen Alters: Louise Bourgeois, Laura Owens und Laura Simons bei Carolina Nitsch.

Als Pate der grafischen Abteilung ist der Berliner Galerist und Aussteller Clemens Fahnemann zu nennen. Sehr aktiv engagieren sich die Galeristinnen Susanne Zander und Sabine Schmidt für die Sektionen Art Brut und Fotografie und deren themenbezogene Ausstellungen aus privaten und öffentlichen Sammlungen. Das Berliner Kupferstichkabinett zeigt Back to the River, Druckgrafik aus den Sammlungen Paul Maenz und Gerd de Vries, sowie Hans und Uschi Welle. Während der Messe wird das Berliner Museum mit dem KunstKöln Preis, dotiert mit 10000 Euro, ausgezeichnet.

Im Zuge der EU-Osterweiterung nehmen an der Messe fünf Galerien aus Ungarn teil, eine aus Vilnius und die ARKA Gallery aus Wladiwostok. Mit ihnen reisen Sammler und Museumsleute aus Ungarn und erstmals aus Russland an. Organisator ist der Wiener Galerist Hans Knoll, der nach dem Fall der Mauer als Erster in Budapest eine Galerie etablierte. "Die Messe ist eine wichtige Plattform für den internationalen Vergleich und Austausch", sagt Knoll.

Dritte im Messequartett ist mit 40 hauptsächlich deutschen Ausstellern die Antiquariatsmesse mit Büchern und Grafik zwischen Tradition und Moderne. Hier findet sich Erschwingliches zwischen Buchdeckeln und auf losen Papieren: Possierliche Monsterchen von Alfred Kubin bei Sabrina Förster (3800 Euro) sowie eine Reihe von persönlich gestalteten Kölner Hochzeitszeitungen vom Ende des 19. Jahrhunderts mit charmantem Lokalkolorit bei Venator und Hanstein (50 bis 170 Euro).