Robert Leicht fragt: "Wie soll der Staat mit der Religion umgehen?" Die Antwort, die er gibt, erscheint mir plausibel und gut. Ich vermisse jedoch den Hinweis darauf, dass diese Fragestellung eine genuin jüdisch-christliche ist. Die Unterscheidung von Religion und Politik, wie sie hier getroffen wird und wie sie mir einleuchtet, ist so nur in unserer biblisch-abendländischen Tradition möglich. Mit großem Interesse habe ich des Öfteren gehört, dass Rabbiner in ihren Vorträgen infrage gestellt haben, dass das Judentum eine Religion sei. Vielmehr gaben sie zu bedenken, dass es vermutlich eher eine Rechtslehre zur Lösung der Fragen des menschlichen Miteinanders sei. So weit ist die christliche Theologie theoretisch noch nicht, jedoch impliziert religiöse Toleranz, wenn sie aus christlicher Überzeugung erwächst, diese Fragestellung.

Außerdem ist zu bedenken, ob etwa auch islamische Staaten, wenn sie denn nicht laizistisch verfasst sind wie die Türkei, eine ähnlich tolerante Lösung des Religionsproblems erreichen werden, wie sie bei Robert Leicht anklingt.

Kurz und gut - man muss die Frage auch umgekehrt stellen: Wie sollen die Religionen mit dem Staat umgehen?

Hartwig Schulte Lienen

Meinen Sohn, 11 Jahre alt, bat ich, Unterschiede zwischen den beiden Kopftuchträgerinnen, einer Muslimin und einer Nonne, zu benennen. Antwort: die Brille.

Schon der Heidelberger Neutestamentler Klaus Berger hat in der ZEIT die Nähe von Christentum und Islam im Grundsätzlichen betont. Wie er übernimmt auch Peter Scholl-Latour gerne die islamistische Kampfformel vom "gottlosen Europa". Man muss wissen, was man schreibt und spricht. Jan Roß schließt nun an, indem er von "ödem Säkularfundamentalismus" - wo sind seine Mörder-Märtyrer? -, "spiritueller Öde" und der nicht gottgefälligen "Konsum- und Freizeitgesellschaft" schreibt und religiöse "Tiefe" fordert.

Diese mosernde Kulturkritik ist aus unserer Geschichte sattsam bekannt und wäre nicht der Rede wert, ginge sie nicht eine Koalition mit den Bomben legenden, religiös so spirituellen, gottesvollen und die vermeintliche Freizeit- und Kosumgesellschaft so neidvoll hassenden Islamisten ein. Im Falle von Jan Roß ist sie deswegen so ungeheuerlich, weil sein Beruf alles, aber auch alles, jener Säkularität verdankt, die er als öde diffamiert. Ich jedenfalls kann in den Schriften Hemingways und Steinbecks, in den Filmen Polanskis und Hitchcocks den Geist der Freiheit, Spiritualität entdecken, nicht aber in den Schriften Hassanal-Bannas. Auch in den Gesichtern Marilyn Monroes und Elizabeth Taylors, den modernen Schwestern Esthers und Judiths, weiß ich mehr und anderes zu lesen als in den abgebildeten.