Schüttware! Gut, dass wir als Kinder dieses Wort nicht kannten. Und nicht wussten, dass die kleinformatigen Pixi-Bücher nichts weiter als Schüttware sind. Also keine richtigen Bücher, keine Kostbarkeiten, sondern ein Massenprodukt, das gleich kübel- oder kassettenweise ausgekippt wird. Und das nunmehr seit 50 Jahren. Für uns schien es die Zwerge schon immer zu geben, spätestens seit Gutenberg, und auch die ziemlich missgestaltete Pixi-Figur zum Anfassen, die in Buchhandlungen steht und in einer Schütte ihre Schätze feilbietet.

Pixi-Bücher, kurz Pixis genannt, gehören zur Kindheit wie Matsche und Hüpfkästchen, wie Gummitwist und Hanni und Nanni. Wie so vieles Geschmackvolle kommen Pixis aus Skandinavien. Pixi bedeutet Kobold oder Wichtel – der Däne Per Carlsen nannte die zehn mal zehn Zentimeter großen Bonsai-Bücher so, als er 1953 nach Hamburg kam, um in der Hansestadt einen Tochterverlag zu gründen und ein Jahr später das erste Pixi, Miezekätzchen, herauszubringen. Darin will Lutschkätzchen einfach nicht aufhören, am Daumen zu lutschen. Noch sehen die Illustrationen aus wie mit Weichzeichner überzogen.

In 50 Jahren kamen über 1239 Pixibücher in einer Gesamtauflage von 250 Millionen Exemplaren auf den Markt, jährlich werden sechs Millionen verkauft. Keine Erstauflage liegt unter 120000. Bestseller, die auf keiner Bestsellerliste stehen.

Das Erfolgsgeheimnis?

Pixi sorgt für demokratisches Lesefutter: Anfangs kostete ein Buch 50 Pfennig, inzwischen ist es für 95 Cent zu haben. So billig wie eine Tafel Schokolade.

Pixi ist das Tor zur Literatur. Sagt der Hamburger Pixi-Buch-Illustrator Andreas Röckener. Er hat 16 Pixis gemacht, vier weitere stehen unter Vertrag. Der 48-Jährige erzählt in zarten Aquarellen vom Frühlingsfrosch oder Lea, der Regenzauberin oder malt mit kräftig-norddeutschen Buntstiften Fischer Fritzes ABC.

Pixi ist nicht Avantgarde: Erst 1999 mit der Serie Nummer 117 und dem 1000. Pixi-Buch (Halali von Ole Könnecke) schaffte der Carlsen Verlag den Anschluss an die Illustratorenelite. Bislang nur einmal, 1965, wurde Pixi für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Pixi ist androgyn: grünes Wams, blaue Strumpfhosen, rote Stiefelchen, nicht Mädchen, nicht Junge, kein Tier – auch wenn er/sie einen Schwanz hat.