Früher einmal, da küssten Politiker Babys, aber das ist aus der Mode gekommen. Später zeigten sie sich mit Jugendlichen, die sich Sicherheitsnadeln durch die Wangen gezogen hatten, und nannten das "Dialog mit der Jugend". Es folgten jungenhafte Kaufleute, die cool geduzt und auf Kabinettslisten gesetzt wurden. Am vergangenen Sonntag nun war die kommende Generation der Politikerlieblinge zu besichtigen.

Zur Eröffnung der Hannover Messe schüttelte der Innovationsbundeskanzler einem Roboter die Hand, woraufhin dieser mit Marilyn Monroes Stimme "I want to be loved by you" zu singen anhob, anstatt gleiche Rechte zu fordern oder doch wenigstens Mitbestimmung, aber auch das ist aus der Mode gekommen. Der ferngesteuerte Playmotyp zeigte mehr Agilität als Autonomie und erinnerte daher nicht nur äußerlich an einen frisch der Montagelinie entsprungenen, anwendungsnahen Juniorprofessor für Eliteuniversitäten. Als sodann die Bundesinnovationsministerin Bulmahn eine Bremsen-Firma auszeichnete, brach gute Laune aus, doch vorwiegend wegen des kleinen Robotermanns mit der weiblichen Stimme und den schwulen Bewegungen, der ihre Rede anmutig begleitete.

Da stellte sich eine Fantasie ein: Die kommende Killer-Applikation der androiden Robotik wird nicht in Filmstudios oder Kinderzimmern oder Altenpflegeheimen den globalen Markt aufreißen, sondern in der politischen Bildung. Erinnert sich noch jemand an die "Kanzler-Duelle"? Das war der Test.